Zum
10-jährigen Bestehen der Kunstgalerie Leipziger Hof
am 07.02.2003
Lieber
Herr Prof. Dr. Eberhard,
Geehrte Damen und Herren,
es
ist geboten an diesem Ort und zu besonderem Anlass Glückwünsche
darzubringen, erfreulicherweise in zweifacher Funktion oder
wie man heute zu sagen pflegt: im Doppelpack - als bildender
Künstler und als Mitglied des Kultursenats des Freistaates
Sachsen, dieses ominösen Klubs graumelierter Damen
und Herren.
Diese
Gewichtung - so respektabel sie auch sein mag - ändert
aber nichts an der Tatsache, dass vorgenannte Glückwünsche
wie Grußadressen kurze Beine haben. Man nimmt die
gutgemeinten und wohltönenden gern entgegen.... und
vergisst sie schließlich wieder. Den Meinigen, die
ich die Ehre habe sie von eben genannten sächsischen
Kultursenat und - was komme ich mir anmaßend vor -
von der zu erheblichen Teilen nicht präsenten Leipziger
Künstlerschar überbringen zu dürfen, ergeht
es mit größter Wahrscheinlichkeit ebenso. Aber
da ich mich persönlich mit einem nur eben gutgemeinten
Gruß nicht zufrieden geben möchte, erlaube ich
mir aus freien Stücken noch eine Hinzufügung.
Ein
Hotel als eine mehr oder weniger gastfreundliche Nobelherberge
für Menschen, die eine solche benötigen - nun
das ist wohl nichts Außergewöhnliches. Aber ein
Hotel, in dem die bildende Kunst beherbergt wird und sich
durchaus auch beherbergt fühlt - mitunter auch die
Musik und die Literatur - das ist schon etwas ganz Besonderes,
insofern auch, weil mindestens drei verschiedene Genüsse,
nämlich die für den Körper, für die
Seele und für den Geist sozusagen unter einem Dach
zusammengeführt, angeboten und zelebriert werden, als
etwas Unausweichliches für die Gäste dieses Hauses.
Wo
gibt es das sonst noch, dieses Zusammengehörige und
- in einem richtig verstandenen Sinne -Lukullische? In der
Oper etwa, oder im Gewandhaus? Nein - auch nicht im Museum.
Auch
wenn es in Leipzig, besonders in solch städtebaulicher
Tristesse wie der die dieses Hotel umgibt, oft nach Montag
riecht, ist in diesem Hause doch - ich übertreibe nicht
- immer Sonntag.... und soll es auch bleiben. In minimaler
Abänderung des geflügelten Wortes sei es gesagt:
hier sieht und erlebt der Gast in einer Stunde mehr als
der Herr im Jahr ... und nimmt etwas mit - von den geklauten
Kleiderbügeln und Essbestecken mal ganz abgesehen -
etwas für den eigenen Seelenhaushalt, in Form der Erinnerung
oder auch als erworbenen Besitz unter Hinterlassung der
entsprechenden Geldsumme, von der der Künstler und
der Galerist erfreulicherweise profitieren. Ob in Hülle
und Fülle oder mehr oder weniger mager, lasse ich dahingestellt
sein. Eine Trefftrumpfgeschichte ist und bleibt sie allemal.
Viel
wichtiger ist doch wohl die damit verknüpfte Begierde,
die sich - ich sagte es schon - mit dem Lukullischen, mit
dem Genuss verbindet, insofern er des Geistes, d.h. der
Kunst nicht entbehrt und die hier auf so glückliche
Art in der Offenheit, Bereicherung und Freude kulminiert.
In
diesem Sinne sei nun nach einem gewiss schönen und
schwierigen Jahrzehnt, herzlich gratuliert. Möge die
von mir kurz umschriebene Koalition des Nützlichen
mit dem Angenehmen, des Praktischen mit dem Ideellen in
diesem Hause noch lange fortbestehen. Für die Gäste
des Hotels Leipziger Hof ist sie erbaulich, für die
Leipziger Künstler notwendig. Vor 10 Jahren sagte ich:
möcht's was werden. Nach 10 Jahren sage ich: möge
es bleiben und fortbestehen. Das wünsche ich im Namen
der Künstler und des Senats Ihnen Herr Prof. Dr. Eberhard,
ihrem Haus und ihrer Galerie herzlich und auf Dauer.
Leipzig, 07.02.2003 Arnd Schultheiß