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06.01.96
Das stilvolle Gewandhauszimmer bezieht
seinen Namen aus den Bildern zur Geschichte des berühmtesten
Orchesters der Stadt. Foto: Grubitzsch
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Ein Physiker macht sein Hotel zum Musentempel
"Leipziger Hof" eröffnete mit Tübke-Ausstellung
seine Kunstgalerie / Im Hof entsteht Atelier
LEIPZIG (jg). Kunst bringt Gäste. Was im Beherbergungsgewerbe
als ein erfolgversprechender Trend gilt, hat in Sachsens Messemetropole
geradezu Hochkonjunktur.
Kein Wunder. Erstens ist die, ob ihres vielfältigen Pinselstrichs,
seit Jahrzehnten gerühmte Leipziger Schule aus erklärlichen
Gründen im Westen noch wenig bekannt. Zweitens hat das
Kunstmuseum der Stadt angesichts seiner reichen Schätze
und der bevorstehenden Vertreibung aus dem ehemaligen Reichsgericht
kaum Gelegenheit, eine größere Auswahl zu zeigen.
Da springen Hotels, in denen ohnehin die kaufkräftigsten
Kunstliebhaber ein- und ausgehen, gern für die Promotion
ein. Die einen laden regelmäßig zu Vernissagen Leipziger
Maler und Grafiker ein. Andere haben ihre Gasträume mit
deren Werken dekoriert und erleichtern ihren Gästen damit
das Kennenlernen einer sehenswerten Kunst.
Einen Schritt weiter geht jetzt der Leipziger Hof. Das stilvolle
Hotel der gehobenen Mittelklasse, östlich vom Hauptbahnhof
am Neustädter Markt gelegen, strebt offensichtlich danach,
ein Domizil für die Bohème zu werden. Vor drei Jahren
wurde das denkmalgeschützte Eckhaus in einem Quartier der
Jahrhundertwende gekonnt zum Hotel umgestaltet. Anspruchsvolle
Gäste finden seitdem in 73, oft eigenwillig geschnittenen,
modern ausgestatteten Zimmern ein angenehmes Zuhause auf Zeit.
In lichten Kellerräumen locken Sauna, Solarium, Whirlpool
und Trimmgeräte zur aktiven Erholung. Vier Etagen darüber
laden zum Streifzug durch Leipziger Malerei des 20. Jahrhunderts
ein. Rund 150 Werke, der Bogen spannt sich von Käthe Kollwitz
bis in die Gegenwart, hat der Münchner Physiker Prof. Dr.
Klaus Eberhard als Hausherr hier zusammengetragen.. Auch Personalausstellungen
gab es schon.
Mit Werner Tübke hatte Hausherr
Klaus Eberhard einen Altmeister der Leipziger Schule für
die Premiere der Galerie im Hotel Leipziger Hof gewonnen.
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Seit Dezember hat das Hotel nun auch eine eigene Kunstgalerie.
Werner Tübke gab der Premiere ihren Glanz. Wer einen der
figurenmächtigsten Maler unserer Zeit bisher nur vom Bauernkriegs-Pandämonium
beim thüringischen Frankenhausen kennt, dem mit 1722 qm
Fläche größten jemals in Deutschland gemalten
Bild, der war sicher erstaunt über diese intime Begegnung.
Gezeichnete Studien machen das Ringen um Bildaussagen nachvollziehbar.
Seine Lithographien verschlüsseln Lebensweisheit. In den
Aquarellen präsentiert sich ein zeichnerischer Gourmet.
Zwei Monate ist diese oppulente Schau noch zu sehen. Dann werden
Tübke andere Repräsentanten der Leipziger Schule folgen,
Mayer-Foreyt, die Ebersbachs, Heisig,...Anke Krause, die als
Kunsthistorikerin unlängst zum Hotelteam stieß, hat
große Pläne. "Hotel und die kommerziell betriebene
Galerie", sagt der junge Direktor Michael Reinhold, "sollen
eigenständig wirken und zugleich eine Einheit bilden."
Mit 60 Prozent Zimmerauslastung ist er sehr zufrieden. "Aber
wo sich immer mehr Häuser um Gäste bemühen, kann
der Wink mit der Kunst kaum schaden", denkt er auch daran, der
hiesigen Bohème ein Domizil anzubieten. Das Gewandhauszimmer
verleiht mittleren Musenrunden ein stimmungsvolles Ambiete.
Tagen kann man in der Galerie, plauschen in den gemütlichen
Ecken des Restaurants. Der Koch hat sich mit einem kleien, dafür
ständig wechselnden Angebot auf ausgefallene Geschmäcker
eingestellt.
Zum intimen Plausch laden im Restaurant
einige gemütliche Ecken ein.
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So tummelt sich unter den Vorspeisen ein halbes Dutzend Weinbergschnecken
zwanglos neben dem zarten Matjesfilet, Carpaccio und gepökelten
Gänsekeulen. An Wein wird dazu bodenständiger von
Saale/Unstrut und Meißen, Württemberg und Badischer
oder auch Franzose, Itlaiener, Karlifornier und Südafrikaner
kredenzt. Um den Anspruch als Kunsthotel zu untermauern, hat
Klaus Eberhard noch einen Trumpf in der Hinterhand. "Im Hof
wird noch ein 40 qm großes Atelier entstehen." Hochbegabte
junge Künstler aus dem Ausland werden hier für einige
Monate unbeschwert von Alltagsproblemen ihrer Kunst nachgehen.
Die rege Kommunikation mit Vertretern der Leipziger Schule,
ist der Physikprofessor aus eigener Erfahrung überzeugt,
wird beide Seiten kreativ inspirieren. Im "Probelauf" eines
Tschechen, von dem ein Bild im Foyer zeugt, hat sich das Mäzenatentum,
das über Präsentationen und Verkaufsförderung
hinausgeht, jedenfalls augenscheinlich bewährt. |