16. März 2002
"Kostproben" von Malerei
und Küche
Frieder Franke ergänzt im Galeriehotel
"Leipziger Hof" das edle Ambiente um eine ebensolche Küche.
LEIPZIG (tb). "Hier
schlafen Sie mit einem Original", wirbt das Hotel "Leipziger
Hof" mitten im einstigen Arbeiterviertel Leipzig-Neustadt
für sich. Das meint: Klaus Eberhard, der Besitzer
und Münchner Physikprofessor, arbeitet eng mit der
Kunstszene der sächsischen Messestadt zusammen.
Überall hängen Originalbilder von Wolfgang
Mattheuer und Arno Rrink, von Bernhard Heisig
und Neo Rauch. Mit Prof. Klaus Werner, dem
Rektor der Leipziger Kunsthochschule, verbindet den Hoteleigner
eine herzliche Freundschaft.
Nun fügte er dem Ruf seines Hauses
einen weiteren Glanzpunkt hinzu: Die schon bisher vom "Feinschmecker",
"Varta" und "Michelin" gelobte Küche des Hotels
soll der neue Küchenchef Frieder Franke fortführen.
Der gebürtige Sachse lernte noch in seiner Heimat kochen,
bevor er elf Jahre lang in immer höheren Positionen
verschiedener Restaurants in Hamburg, Freudenstadt, Bad
Nauheim, auf Rügen und schließlich in der Kochhochburg
Baiersbronn tätig war und jede dieser Stationen
als weitere Schule begriff.
Nun kehrt er in seine Heimat zurück. Sein Ziel: dem
edlen Ambiente eine ebensolche Küche zur Seite zu stellen.
Dabei vergleicht er Leipzig mit seinem letzten Arbeitsplatz
im Schwarzwald: "Dort kamen vor allem Urlauber, für
die das Essen einer der Höhepunkte war. Hier gastieren
vorwiegend Geschäftsleute, für die das Essen dazugehört."
Allerdings logieren bei Prof. Eberhard eben überwiegend
Leute mit viel Geschmack, nicht nur bei der Auswahl
von Bildern. So siedelt sich denn Frankes Speisekarte durchaus
über dem Niveau vieler Häuser Leipzigs an, reicht
vom Badischen Schneckensüppchen übers gebratene
Rinderfilet mit Pilzkruste in Trüffeljus, Linsengemüse
und Kartoffelrösti bis zu Feigenbeignets mit Pistazienglacé
in Kurkuma -Zimtschaum. " Ich muss genau kalkulieren, denn
über 20 Euro für ein Hauptgericht läuft in
dieser Region nichts, dennoch will ich die Gäste mit
Qualität überzeugen." Das beginnt damit, dass
alle Grundlebensmittel täglich frisch verarbeitet
werden.
Franke legt Wert auf eine bodenständige Küche,
ohne das er sie sächsisch nennt: " Was ist sächsisch
außer dem Allerlei? In Dresden hatte man schon immer
einen Hang zu französischer Küche. Leipzig war
als Messestadt schon offener für Gerichte aus aller
Herren Länder. Im Erzgebirge mit seinen kargen Böden
genoss man nur bescheiden wie etwa im benachbarten Franken.
Das ist keine einheitliche Tradition, die man rüberbringen
kann." Hier kommt der traditionelle Rehbraten ebenso
zu seinem Recht wie die Rinderroulade. Doch der Koch
liebt es, sich bei Rezepturen nicht ganz festzulegen und
Gegensätzliches zu kombinieren. Mal mariniert er Entenbrust
asiatisch, mal macht er es ein bisschen fruchtig, setzt
Orangenöl oder Mango ein.
Bescheidener kommt die tägliche Mittagskarte
daher - höchstens 7,50 Euro (Schweinerückensteak
mit Kräuterkruste, Lyoner Kartoffeln und Salat). Der
Höhepunkt aber ist dem Haus angemessen. Immer dann,
wenn eine neue Ausstellung in der Galerie eröffnet
wird, kreieren Künstler und Küchenchef gemeinsam
ein Künstlermenü.