Diese außergewöhnliche, private Kunstsammlung
in Leipzig's Kunsthotel zeigt über 200 Werke. Die meisten
stehen in enger Beziehung zur Stadt Leipzig. Sie sind kunst- wie auch
zeithistorische Dokumente dieser kurzen Phase junger deutscher Geschichte,
der Wendezeit,
Abb. 1, Gerald Müller-Simon,
Umgestaltung des Karl-Marx-Platz, 1986, Öl auf Hartfaser,
90 cm x 90 cm
 |
die von hier ihren Ausgang nahm,. Die Sammlung ist öffentlich zugänglich
und ist täglich von 10 bis 20 Uhr kostenlos zu besichtigen.
Der Sammler, Klaus Eberhard, ist Gründer und
Eigentümer des Hotels. Er hat Gemälde, Zeichnungen, Grafiken
und andere Arbeiten aus den 80er und 90er Jahre bis zum heutigen
Tage zusammengetragen. Hinzugekommen sind ebenso Arbeiten früherer
Epochen bis zu den 20er Jahren, wenn ihm dies für die Sammlung wichtig
erschien.
Abb. 2, Heinz Müller, Leipzig
im Regen, 1976, Öl auf Hartfaser,
58 cm x 78 cm
 |
Die Arbeiten spiegeln vielfältige künstlerische Ansätze
- auch im Rahmen der "Leipziger Schule" - wider. Die einen
zeigen Leipziger Motive, andere wiederum nehmen Bezug auf zeitgeschichtliche
Ereignisse, die in besonderer Weise die Stadt geprägt haben oder
- besonders in den letzten Jahren - von Leipzig aus ihre Impulse
bekamen.
Abb. 3, Wolfram Ebersbach, Grünes
Ampellicht, 1989, Öl auf Leinwand, 140 cm x 140 cm
 |
Die Arbeit "Umgestaltung des Karl-Marx-Platzes" (1986,
Abb.1) von Gerald Müller-Simon zeigt die auf den (heute wieder
so genannten) Augustusplatz "gelegte" Paulinerkirche; das Bild drückt
Trauer und Sinnlosigkeit über die Sprengung der Paulinerkirche
im Jahre 1968 aus.
Die Sammlung gibt eine breite Übersicht über das
spannungsreiche Kunstspektrum Leipzigs, gelegentlich ergänzt
durch nicht unmittelbar auf Leipzig bezogene Arbeiten.
Abb. 4, Hanns Rossmanit, Brücke
in Connewitz, 1949, Öl auf Leinwand, 53 cm x 77 cm
 |
Intime persönliche Ansichten der Stadt führen von
Heinz Müller ( "Leipzig im Regen", 1975, Abb.2 ) über Wolfram
Ebersbach ("Grünes Ampellicht", 1989, Abb.3) bis zu dem futuristisch
anmutenden Bild "Leipzig im Nebel" (1994) von Jan Vancura,
das der Künstler während eines Gastaufenthaltes im Atelier Leipziger
Hof malte und dem Hotel schenkte.
Abb. 5, Bernhard Heisig, Max
Beckmann, 1983, Lithographie, 24 cm x 28 cm
 |
Viele Leipziger Maler der älteren Generation
haben in zahlreichen Bildern und Zeichnungen in verschiedenster
Form ihre sich ständig verändernde Stadt zu porträtieren
versucht: Die Stadt seit Ende der 20er Jahre bis heute ist
in ausdrucksstarken Arbeiten von Hanns Rossmanit zu sehen.
"Straße in Zöbigker" aus dem Jahre 1929, "Motiv in Leipzig Lindenau"
von 1932 oder auch das im Jahr 1949 geschaffene Gemälde "Straßenbrücke
in Connewitz" (Abb.4) sind eindrucksvolle Ansichten der Stadt.
Abb. 6, Wolfgang Mattheuer,
Jahrhundertschritt, 1989, Linolschnitt, handcoloriert, 85 cm x 100
cm
 |
Ergänzt werden diese frühen Stadtansichten durch Arbeiten von Heinz
Müller und Gerd Pötzschig aus den 50er und 60er Jahren,
wie "Georg-Schwarz-Straße" (1953) oder "Lortzingstraße" (1956).
Die Werke von Künstlern und Lehrern der Hochschule
für Grafik und Buchkunst in Leipzig werden häufig unter dem
Begriff "Leipziger Schule" geführt.
Mit Bernd Heisig ("Max Beckmann", 1983, Abb.5),
Wolfgang Mattheuer ("Jahrhundertschritt", 1989, Abb.6), Hans
Mayer-Foreyt und Arno Rink ("Unterm Tuch", 1994, Abb.7)
sind typische Arbeiten unterschiedlicher Sujets in die Sammlung
gekommen.
Abb. 7, Arno Rink, Unterm Tuch,
1994, Öl auf Hartfaser, 120 cm x 140 cm
 |
Von der heutigen Generation der Hochschullehrer sind
zahlreiche Arbeiten, beispielsweise von Wolfram Ebersbach,
Reinhard Minkewitz ("Kauernde Figur", 1992, Abb.8) und Neo
Rauch ("Marineschule", 1995, Abb.9), vertreten.
Abb. 9, Neo Rauch, Marineschule,
1995, Öl auf Papier, 78 cm x 107 cm
 |
Der seit der Wende aus den Fugen geratene Bausektor
in Leipzig wird in Joachim Scholz' Gemälde "Blick zum ausbaufähigen
Dachgeschoß" (1994, s. Umschlag) treffend pointiert. Die derzeitige
gewaltige Bautätigkeit in Leipzig wird auch in "Kräne" (1994) von
Gerald Müller-Simon eindrucksvoll dokumentiert.
Abb. 8, Reinhard Minkewitz,
Kauernde Figur, 1992, Farbradierung, 70 cm x 95 cm
 |
Abb. 10 Günter Richter, Wettbüro,
1994, Öl auf Leinwand, 91 cm x 113 cm
 |
Ein Blick über den zentralen Stadtteil Neustädter
Markt, in dem sich auch das Galerie Hotel Leipziger Hof
befindet, wird in Wolfgang Mattheuer's Zeichnung "Leipzig"
(1975) gegeben. Und Günter Richter zeigt in mehreren, für
ihn typischen Bildern den drohenden Verfall vieler Häuser in Leipzig.
Eines der bekanntesten ist das "Wettbüro" (1990, Abb.10) aus dem
Jahre 1990.
Christl Maria Göthner zeigt die "Waldstraße"
(1994), an die sich einer der ehemals schönsten Leipziger Stadtteile
anschließt.
Abb. 11, Arnd Schultheiss, Kurt
Masur, 1984, Radierung handcoloriert, 73 cm x 54 cm
 |
Neben Stadtmotiven sind zahlreiche andere
Arbeiten, wie Interieurs oder Stilleben, von Leipziger
Künstlern in der Sammlung vertreten, wie beispielsweise das
im Restaurant des Hotels zu sehende großformatige Ölbild "Tischgesellschaft"
von G.A. Schulz.
Im Jahre 1992 entstand eine Serie von Radierungen,
die von 18 Leipziger Künstlern im Rahmen eines Grafik-Symposiums
anläßlich des 250jährigen Bestehens des Gewandhausorchesters
geschaffen wurde.
Auch die im Gewandhauszimmer des Leipziger Hofs zu
sehenden Dirigenten- und Solistenporträts von Arnd Schultheiss
("Kurt Masur", Abb.11), weisen auf die bedeutende Rolle Leipzigs
als Musikstadt hin.
Max Schwimmer, Interieur, Aquarell,
um 1950
 |
Aus einem privaten Nachlass konnten zahlreiche Arbeiten
von Max Schwimmer für die Sammlung erworben werden. Max Schwimmer
baute die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig nach
dem 2. Weltkrieg wieder mit auf. Er war Lehrer zahlreicher Studenten,
die später die 'Leipziger Schule' begründeten, so z. B. von
Bernhard Heisig.
Abb. 12, Käthe Kollwitz, Städtisches
Obdach, 1926, Lithographie, 50 cm x 62 cm
 |
Bei den Arbeiten, die sich nicht direkt auf Leipzig
beziehen, von Künstlern aus anderen Regionen geschaffen, hebt sich
besonders die Lithographie "Städtisches Obdach" (Abb.12) aus dem
Jahre 1926 von Käthe Kollwitz hervor.
Die großformatigen, farbenfreudigen Siebdrucke "Augen,
Zone D" und "Köpfe, Zone D", von A.R. Penck
Abb. 13, A. R. Penck, Für den
Leipziger Hof (Augen, Zone D), 1991, Farbsiebdruck, 79 cm x 55 cm
|
wurden 1991 in der Ausstellung "Zone D - Innenraum" des Förderkreises
der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst erstmals gezeigt.
Einen Farbsiebdruck des Ausstellungsplakats (Abb. 13) hat der Künstler
der Sammlung geschenkt.
Drei Jahre nach der Eröffnung des Galerie Hotels
Leipziger Hof wurde - in Ergänzung zur ständigen Sammlung des Hotels
- im Dezember 1995 die Galerie Leipziger Hof mit Arbeiten von
Werner Tübke eröffnet.
Wechselnde Ausstellungen in der Galerie sowie Einladungen
an auswärtige Künstler zu einem Atelieraufenthalt im Leipziger Hof
werden auch in Zukunft für eine spannende und interessante Begegnung
mit der Kunst unserer Zeit im Leipziger Hof sorgen.
Gelegentlich lädt der Leipziger Hof seine Gäste zu
einem Kommunikationsforum in zwangloser Form in die Galerie ein.
Gedankenaustausch und ein gegenseitiges Kennenlernen
von Gästen, Galeriebesuchern und Künstlern liegen ganz in der
langen Tradition Leipzigs als weltoffene Stadt der Kunst und
der Musik.
Bei der Zusammenstellung der Sammlung haben uns namhafte
Leipziger Kunsthistoriker unterstützt. Unser Dank gilt Herrn Rainer
Behrends, Kustos der Universität Leipzig, Herrn Dr. Dietulf
Sander, Leiter der Gemäldesammlung des Museums der bildenden
Künste Leipzig, Herrn Dr. Peter Guth, Kunsthistoriker, Autor
und Journalist, Herrn Dr. Günter Meißner, Leipziger Kunsthistoriker,
Herrn Prof. Dr. Klaus Werner, ehemaliger Direktor der Leipziger
Galerie für Zeitgenössische Kunst und heute Rektor der Hochschule
für Grafik und Buchkunst Leipzig, sowie zahlreichen anderen. Ein
ganz besonderer Dank gilt den Künstlern selbst, die oft nur
zögerlich bereit waren, Arbeiten von sich in die Sammlung zu geben,
die zu den wichtigsten ihres Oevres gehören oder zu denen sie aufgrund
der zeitgeschichtlichen Vorgänge während der Wendezeit in Leipzig,
ihrer Heimatstadt, ein ganz besonderes Verhältnis haben.
|