GALERIE HOTEL LEIPZIGER HOF
Hier schlafen Sie mit einem Original




Die Liebe zu einem hinkenden Entlein
- oder wie ein Hotel mit seinen Brotresten umgeht -


Es fing an einer vielbefahrenen Kreuzung im Süden Leipzigs, in Stötteritz, direkt am Völkerschlachtdenkmal an:

Eine Entenmutter wartete mit mit zwei noch sehr kleinen Entlein geduldig, bis die Fußgängerampel auf grün schaltete, und lief dann über die Straße in Richtung Völkerschlachtdenkmal, das von den Leipzigern liebevoll 'Völki' genannt wird.

Völkerschlachtdenkmal


Doch eines der beiden Kleinen schaffte es nicht mitzukommen. Es humpelte auf einem Bein hinterher, das andere - offenbar verletzt - schaute seitlich heraus. Erschöpft blieb es schließlich in der Mitte der Straße - zwischen den Straßenbahnschienen - sitzen.

Die Entenmutter hatte vermutlich in einer Tragödie die anderen Kleinen verloren - vielleicht war das Hinkebeinchen dabei auch verletzt worden - und versuchte nun mit den beiden Übriggebliebenen das Revier zu wechseln.

Daß Enten beim Überqueren der Straße auf 'Grün' warten, wird gelegentlich beobachtet. Vermutlich warten sie so lange, bis die Autos sich nicht mehr bewegen und maschieren dann los.

Eine Künstlerin unserer Sammlung hatte den Vorfall beobachtet, wußte, daß ich in der Nähe des Völkerschlachtdenkmals wohnte und bat mich, doch mal nach den Entlein zu schauen.



Am Abend auf dem Heimweg kam ich der Bitte nach. Ich überlegte, ob die Enten wohl den Teich am 'Völki' angesteuert hatten oder vielleicht eher den nahe gelegenen Südfriedhof.

Zum Füttern hatte ich einige übrig gebliebene Brötchen vom Frühstück mitgenommen.

Die Leipziger nennen den See vor dem Völkerschlachtdenkmal den 'Tränenteich', gefüllt mit den Tränen für die über einhunderttausend gefallenen Soldaten.

Meine Enttäuschung war groß, als ich auf dem Teich die Entenmutter, aber nur mit einem Entlein entdeckte. Ich suchte nach dem Hinkebeinchen, ging den Weg von der Kreuzung zum 'Völki', schaute auch zwischen den Straßenbahnschienen, wo ich glücklicherweise nichts fand.

Doch am nächsten Abend war die Freude groß: auch das Hinkebeinchen war wieder da! Die kleinen Entlein waren sehr ängstlich und blieben auch beim Füttern ganz nahe bei ihrer Mutter.

    



Nach einigen Tagen tauchte überraschend eine zweite Entenfamilie auf, eine Mutter mit 8 kleinen Entlein. Von nun an wurde regelmäßig Entenfutter im Hotel gesammelt und - meist am Abend - an die Enten verfüttert. Es war köstlich anzusehen, wie sie schon von weitem mit beachtlicher Schnelligkeit durchs Wasser sausten, wenn sie uns entdeckt hatten.

Manchmal schnappten auch die Karpfen nach den Brotstückchen und erschreckten die Enten.

    

Fast täglich konnte man sehen, wie sie größer und größer wurden und schon bald beim Füttern miteinander rauften.

Völkerschlachtdenkmal... einige Wochen später


Völkerschlachtdenkmal

... Familienberatung unter fast schon Erwachsenen

... eine stolze Entenmutter

Völkerschlachtdenkmal... die Kleinen gehen nun ihre eigenen Wege


Schon nach kurzer Zeit konnten wir die Enten unterscheiden - die Mütter wie auch die Kleinen. Jedes ist ein wenig anders im Aussehen, meist erkennbar am Gefieder oder am Kopf (Schnabel). Wir sind gespannt, ob wir unsere lieb gewonnenen Enten im nächsten Jahr wiedersehen und wiedererkennen werden.

Besonders am Herzen liegt uns das einstige Hinkebeinchen, das seine Verletzung glücklicherweise völlig auskuriert hatte und vor einigen Tagen munter auch am Rande des Teiches entlang lief.

Und sollten Sie, verehrte Gäste unseres Hauses, im nächsten Jahr einen Ausflug zum Völkerschlachtsdenkmal machen, dann geben wir Ihnen gerne Entenfutter mit und würden uns freuen, wenn Sie unsere kleine Tradition fortsetzen. .


© Klaus Eberhard, Oktober 2007

Hotelhauptseite       Kunstsammlung       Galerie       Veranstaltungen