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und
GALERIE HOTEL LEIPZIGER HOF
Hier schlafen Sie mit einem Original


Persönliche Erinnerungen zu "25 Jahre vereintes Deutschland".
Hausherr Klaus Eberhard erlebte spannende Jahre in Leipzig und im Leipziger Hof
- und das nicht nur in der Kunst.


Im September 1990 kaufte ich das unter Denkmalschutz stehende Wohn- und Geschäftshaus in der Hedwigstraße 3 in Leipzigs Gründerzeitviertel "Neustädter Markt". Wie so viele andere Gebäude war es ziemlich "heruntergekommen". Von den 20 Wohnungen durften nur noch 6 bewohnt werden, die anderen - in den oberen Stockwerken - waren "verworfen".


Das Wohn- und Geschäftshaus um 1970, vor dem Umbau in ein Hotel. Foto: privat


Das Galerie Hotel Leipziger Hof bei der Eröffnung im Jahre 1992. Foto: galerie hotel leipziger hof
"Für mich hat sich die Sache mit der Einheit allein schon wegen Leipzig gelohnt", schrieb Herbert Riehl-Heyse begeistert in der "Süddeutschen Zeitung" und fügte für unser Haus hinzu "... fast ein Museum als Hotel, nur komfortabler".

Die aus Leipzig stammende Redakteurin Ulrike Bajohr wählte in ihrem Radiobeitrag im "Deutschlandfunk" für unser in Rekordzeit umgebautes Hotel den treffenden Vergleich "... wie eine Jacketkrone in einem verfallenen Gebiß". Unser Haus war im übrigen das erste Gebäude im "Neustädter Markt", das nach der Wende saniert wurde.

Der Ankauf der Bilder für unsere Sammlung war in dieser Zeit die herausragende, spannende und liebste Tätigkeit für mich in Leipzig. Meine Tagebucheintragungen hierüber sind im Jahre 2012 im Seemann Verlag Leipzig/Berlin als Buch erschienen: "Zu Gast bei Mattheuer und Rauch, Tagebuch eines Leipziger Kunstsammlers", Seemann Verlag, 2012, 303 Seiten, 19,90 €.

Erich Loest, Schriftsteller und Ehrenbürger der Stadt Leipzig, schrieb das
Vorwort zum Buch. Am 12. September 2013 verstarb er im Alter von 87 Jahren in Leipzig.

Erich Loest (li.) und Klaus Eberhard im Biergarten
des Leipziger Hofs; Foto: ©Armin Kühne


Hier ein Auszug: "... Nun war er gelernter Physiker und Amateur-Hotelier und wagte sich auf einem dritten Gebiet ganz weit vor, dem der Bildenden Kunst. Sowas gab es in Leipzig nicht, damit ist sein Haus bis heute einmalig: Er bestückte die Gästezimmer mit Originalen Leipziger Künstler.

Dafür musste er die Berühmten und die steil aufsteigenden Jungen und die Verkannten und Missachteten gleichermaßen kennen- und einschätzen lernen, er lud sie zu sich und besuchte sie in ihren Ateliers, redete und schwärmte und trank mit ihnen und hörte sich eine Menge Klatsch an ...".

Wie die eingangs erwähnten Sätze von Herbert Riehl-Heyse oder Ulrike Bajohr gehen mir beim Rückblick auf die vergangenen 25 Jahre immer wieder Erinnerungen durch den Kopf, die offenbar in meinem Gedächtnis gut haften geblieben sind, obwohl sie oft nur scheinbar unscheinbare, manchmal auch anekdotenhafte, kurze persönliche Bemerkungen sind, die jedoch - abseits der großen Wiedervereinigungsdebatten - die Dinge damals genau auf den Punkt brachten.

(Fortsetzung Newsletter)

Schmunzelnd denke ich daran zurück, wie wir einem Handwerker in der Nachbarschaft seinen Telefonanschluß abkauften. Es war unmöglich gewesen, einen eigenen zu bekommen und ohne Telefon konnte man kein neues Hotel eröffnen. Das Kabel spannten wir frei durch die Luft.

Nicht vergessen werde ich die vielen Gespräche abends an der Bar unseres Restaurants - gerade in den ersten Jahren nach der Wende. Unternehmer und Manager großer westdeutscher und ausländischer Firmen tauschten ihre Erfahrungen aus: Erfreuliches, Unerfreuliches, Unerwartetes - meist tagesfrisch. Viele wohnten über Jahre bei uns. Freundschaften entstanden, man feierte die Erfolge, lachte gerne miteinander, aber nahm auch Anteil bei Mißerfolgen und Schwierigkeiten des anderen.

Fritz Henze aus Hannover baute seine - bis heute erfolgreiche - Leipziger Zweigniederlassung "Autotag" auf und erzählte beispielsweise - zu Beginn seiner Zeit in Leipzig - von einem gerade geführten Gespräch mit dem russischen Stadtkommandanten (der seinen Segen zum Erwerb des Grundstücks geben musste).

Etwa Mitte der 90-iger Jahre kam die Stadt in eine wirtschaftliche Schräglage, verursacht durch die inzwischen entstandenen Überkapazitäten an Wohnungen, Büros, Läden, auch Hotels. Trotz Überkapazität wurden Projekte fertiggestellt, da die hohe Abschreibung (50%) nur bei Fertigstellung gewährt wurde. Verschärfend kam noch hinzu, dass rund 100.000 Einwohner seit 1992 die Stadt verlassen hatten.

Tief betroffen erlebten wir in dieser Zeit die Verzweiflung eines Mitglieds unserer abendliche "Hotelbar-Runde". Er war Geschäftsführer der Leipziger Zweigniederlassung eines großen westdeutschen Unternehmens und stand nun vor der schrecklichen Aufgabe, immer mehr Mitarbeiter, deren Sorgen er genau kannte, entlassen zu müssen. Es ging ihm so zu Herzen, dass er schließlich einen Zusammenbruch erlitt und daran verstarb.

Äußerungen von Künstlern unmittelbar nach der Wende sind mir noch in Erinnerung:
Hanns Rossmanit sagte mir: "Das einzig Gute an der Wende sind Sie! Sie kaufen unsere Kunst". Gerald Müller-Simon und seine Frau Käthe Müller erzählten nach einer Prag-Reise: "Wir hatten in Prag den Eindruck, dass wir so angesehen wurden, wie wir vor der Wende die Westdeutschen bei uns in Leipzig angesehen haben", und folgerten: "die D-Mark hat uns zu Westdeutschen gemacht".

"Ossis! Rettet die Bundesrepublik!" war auf Spruchbändern zu lesen - damals wohl nicht ganz ernst gemeint. Doch immerhin: heute hat die Bundesrepublik eine ostdeutsche Kanzlerin und einen ostdeutschen Bundespräsidenten.

Einmal, als ich im Büro eines Freudes in München anrief und der Sekretärin meine Telefonnummer für einen Rückruf gab, fragte sie mich: "Wo ist denn das, Vorwahl 0341?"
"Leipzig"
Ihre spontane Reaktion: "Sie Armer!"

Leipzigs sieben (!) Kabaretts waren nach der Wende in Hochform. Die "Pfeffermühle" nahm den Verkauf westdeutscher Autos in den Osten ins Visier: "Fängt er an zu rosten, muss er in den Osten". Oder textete zur deutschen Einheit: "Die Einheit ist dann vollzogen, wenn der letzte Ossi aus dem Grundbuch verschwunden ist".

Noch vor kurzem, als wir gerade unsere historische "DDR-Suite" nach langem Zögern aufgebaut hatten, fragte uns ein Künstler, der auch in unserer Sammlung vertreten ist, wohl irgendwie empfindlich berührt: "Wo ist denn Ihre BRD-Suite?".

Mit großer Freude und auch ein wenig Stolz sehen wir, dass unsere Gäste Leipzig heute als eine wunderbare Stadt erleben. Die Presse - national wie international - beurteilt übereinstimmend Leipzig als die am schnellsten wachsende Stadt in Deutschland und auch als die lebendigste. Manche sprechen gar von "Leipzig - the better Berlin".

Wenn in diesen Tagen der Friedensnobelpreis vergeben wird, denke ich mit ein wenig Wehmut an die seinerzeitige Initiative von Erich Loest und mir, die Leipziger zum 10-jährigen der friedlichen Revolution mit dem Friedensnobelpreis zu ehren.


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letztes update: 13.10.2015