Freie Presse - Chemnitz
12.10.2012
Hotelgäste teilen Zimmer und Flur mit Leipziger Malern

Vor 20 Jahren wurde das Galerie-Hotel Leipziger Hof gegründet. Das Haus gilt als Geheimtipp fur Kunstliebhaber.

Von JÖRG ABERGER


LEIPZIG - Der TV-Journalist Wolf von Lojewski beschrieb das Galerie Hotel Leipziger Hof einmal so: Es ist nicht das größte oder teuerste aller Hotels, aber eines der anregendsten, gemütlichsten, interessantesten." Sein Alleinstellungsmerkmal ist dabei nicht, dass es seinen Gästen Kunst präsentiert, das tun andere Hauser in anderen Städten auch. Aber es ist vermutlich das einzige, das eine thematische Sammlung zu der Stadt hat, in der es steht.
Klaus Eberhard heißt der Mann, der es vor nunmehr 20 Jahren gegründet hat. Dass der Münchner ausgerechnet nach Leipzig kam, war seinen Angaben zufolge reiner Zufall. "Ein Freund von mir hatte Familie hier in Leipzig und sagte nach der Wende, du musst mitkommen, wir müssen dort etwas machen", berichtet der ehemalige Physikprofessor. Und so erwarb er 1990 die damals noch als Wohn-und Geschäftshaus betriebene Immobilie in der Hedwigstraße im östlich vom Hauptbahnhof gelegenen Stadtteil Neustadt. Nachdem die Entscheidung gefallen war, dass das Gebäude zu einem Hotel werden sollte, war auch schnell klar, dass dort Leipziger Kunst gehlängt werden würde "Ich schätze die Leipziger Schule und auch die Neue Leipziger Schule sehr", sagt Eberhard.



Inzwischen umfasst seine Sammlung rund 450 Werke von mehr als 1OO Malern. Nicht nur in den Zimmern und Fluren des Hotels hängen die Bilder, auch in einer angeschlossenen Galerie zeigt Eberhard in wechselnden Ausstellungen die Werke der Künstler. "Zu den Favoriten, die ich sammle und in den Ausstellungen zeige, gehören Arno Rink, Sighard Gille, Neo Rauch, Michael Triegel und Markus Bläser", zählt er auf.
Auch wenn der Leipziger Osten nicht den allerbesten Ruf genießt, laut Eberhard schätzen seine Gäste die Nähe zum Bahnhof, zur Innenstadt und zur Leipziger Messe. "Das Schlimmste für ein Kunsthotel wäre, in einem Nobelviertel zu liegen", ist er überzeugt. Laut Eberhard ist sein Haus mit 68 Zimmern und fünf Suiten, darunter eine historische DDR-Suite, besser ausgelastet als die Hotels im Zentrum.
Die britische Zeitung "Independent" nahm das Galerie-Hotel als ein Muss für den Kunstliebhaber in seine Tipps für einen Tag in Leipzig auf. Aber nicht alle finden Gefallen an der Malerei, wie die Fragebögen, die in den Zimmern liegen, beweisen. "Da hat schon So mancher angekreuzt, dass er zwar gut geschlafen habe, die Kunst aber grässlich fand", schmunzelt Eberhard. (dapd)
 
Quelle: Freie Presse Chemnitz 12.10.2012 zu den Artikeln
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