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GALERIE HOTEL LEIPZIGER HOF
Hier schlafen Sie mit einem Original




Zur Erinnerung an Bernhard Heisig

Ein Gespräch zwischen ihm und dem Hausherrn des Galerie Hotels Leipziger Hof, Klaus Eberhard, aus dem Jahre 1996.



28. März 1996:

Im Anschluß an seine (erste) große Ausstellung in Leipzig, im Museum der bildenden Künste, hat Hartwig Ebersbach rund dreißig Personen zur Nachfeier zu sich nach Hause eingeladen.

Zum ersten Mal treffe ich Bernhard Heisig. Er sitzt auf dem einzigen verfügbaren Stuhl neben dem Buffet, neben ihm steht Monika Ebersbach, die Frau von Hartwig Ebersbach, beide unterhalten sich. Ich gehe zu ihm, stelle mich vor und spreche ihn auf die von Christine Rink und mir geplante Ausstellung seiner Arbeiten in unserer Galerie an.

"Ich möchte dieses Gespräch nicht unterbrechen", schaut er mich vorwurfsvoll an. Monika Ebersbach versucht die Situation zu retten, meint, man könne später weiterreden und geht.

"Ich wollte dieses Gespräch wirklich nicht unterbrechen", legt Heisig nach. Ich gehe zu Monika Ebersbach und bitte sie zurückzukommen. Beide unterhalten sich weiter.

Nach rund einer Viertelstunde kommt Heisig zu mir. "Bitte entschuldigen Sie", sagt er. "Bitte entschuldigen Sie", sage ich zu ihm, "schließlich habe ich Ihr Gespräch unterbrochen".

Das Eis ist nun ein wenig gebrochen. Ich erzähle ihm von unserer Sammlung, von der gerade laufenden Mayer-Foreyt-Ausstellung in unserer Galerie. Zwangsläufig kommt das Gespräch auf die Leipziger Schule. Heisig erzählt mir von den Schwierigkeiten, die er mit Ebersbach auf der Hochschule hatte; dreimal hatte er ihn aus einem Disziplinarverfahren retten müssen.

"Wo haben sie das Bier her", fragt Heisig, der bisher Wein getrunken hat. Ich hole ihm ein Bier von der Terrasse. Wir erzählen weiter über die Hochschule.

(Fortsetzung)

"Eigentlich müsste jemand die Geschichte der Hochschule aufschreiben", sage ich zu Heisig, "von allem, was ich bisher gehört habe, haben Sie die Hochschule am stärksten geprägt. Sie sollten die Geschichte der Hochschule schreiben".

"Ich glaube nicht, dass das gut wäre", erwidert er.
"Wenn schon die Geschichte der Hochschule aufschrieben werden soll, dann sollte es ein Außenstehender tun. Warum schreiben Sie nicht? Sie sind interessiert daran, fragen Sie die einzelnen und schreiben sie".
"Es sollte wenigstens ein Leipziger sein, der die Schule erlebt hat", ist mein Einwand.
"Nein nein", meint er, "besser ein völlig Außenstehender".

Ich spreche Heisig auf die Ausstellung ‚Auftragskunst der DDR' in Berlin an.
"Wie heißt diese Ausstellung", fragt Heisig.
"Auftragskunst der DDR", sage ich noch einmal.
Warum fragt Heisig das in dieser Weise nach, will er kokettieren, ironisieren? Er selbst hatte in einem Interview diese Ausstellung so kommentiert, dass es "schade sei, dass es Museen nicht erlaubt sei, Bilder zu verbrennen".

Ich hatte das so verstanden, dass einige seiner ‚Auftragswerke' lieber nicht mehr gezeigt werden sollten. So bin ich ein wenig verwirrt, als er weiter ausführt:
"Was ist negativ an Staatskunst? Staatskunst ist vom Staat beauftragte Kunst. Sind die Arbeiten von Goja und anderen Malern deshalb schlechter, nur weil sie vom Staat in Auftrag gegeben wurden, also Staatskunst sind?"
Ich muss an einen Satz von Beaucamp in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung denken, den er zum 70. Geburtstag von Heisig schrieb: ‚Wenn das Staatskunst ist, was Heisig gemalt hat, dann hätte der Staat ganz anders aussehen müssen.'

Im Dezember wird eine Ausstellung seiner Arbeiten in der Kustodie gezeigt. Er hat nichts dagegen, zeitgleich in unserer Galerie eine Verkaufsausstellung zu machen. Leider kommt die Ausstellung in unserer Galerie nicht zustande. Christine Rink sagt mir am nächsten Tag, Heisig habe eine feste Verbindung zu einer Berliner Galerie; diese verlange, am Erlös unserer Galerie zur Hälfte beteiligt zu werden. Heisig hatte mir gegenüber hiervon nichts erwähnt. Ich sage die Ausstellung ab.

Einige Tage später erzähle ich Arno Rink, der im Jahre 1987 direkter Nachfolger von Heisig als Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst wurde, von meinem Gespräch mit Heisig und erwähne auch, dass mich die Rede von Oberbürgermeister Lehmann-Grube im Museum zur Eröffnung der Ebersbach Ausstellung beeindruckt hat. Rink meint dazu:

"Heisig und ich waren vor kurzem bei Lehmann-Grube. Ich hatte den Eindruck, Lehmann-Grube sieht in uns beiden nach wie vor zwei Staatskünstler der DDR". Weiter stellt er fest: "Heisig hat seine Staatspreise zurück gegeben. Tübke erwähnt sie nicht mehr in seiner Biographie. Ich halte dies nicht für richtig, ich gebe meine Staatspreise nach wie vor an. Denn wir, auch Heisig und Tübke, haben unsere Preise nicht für politische Tätigkeit bekommen, sondern für unsere künstlerische Leistung".

©Klaus Eberhard, 2011

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letztes update: 22.6.2011