HESSISCHE / NIEDERÄCHSISCHE ALLGEMEINE
Leipzig ist Kunst
Ein Streifzug durch Museen, Galerien und Künstlerviertel
Einst haben Kaufleute Leipzig zum internationalen Handelszentrum mit Wohlstand und Kunstsinn gemacht haben. Heute ziehen Neue Messe, Flughafen und Automobilwerke Besucher aus aller Welt an. Und auch Kunstinteressierte kommen in Leipzig auf ihre Kosten.
Das Museum der bildenden Künste zum Beispiel zählt zu den ältesten Bürgersammlungen Deutschlands. Seine Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 1837, als Leipziger Bürger einen Kunstverein gründeten. Im Jahr 1858 wurde ein repräsentativer Museumsbau am Augustusplatz er öffnet, der aber im 2. Weltkrieg in Schutt und Asche fiel. Nach 61 Jahren Interimslösung wurde im Jahr 2004 ein repräsentativer Neubau eröffnet Die Sammlung umfasst rund 3000 Gemälde, dazu kommen 1000 Skulpturen und mehr als 60 000 Zeichnungen und Grafiken. Zu den Höhepunkten des Museums gehören Gemälde von Lucas Cranach, Caspar David Friedrich und Peter Paul Rubens sowie Werke der beiden in Leipzig geboren Künstler Max Klinger und Max Beckmann. Die Kunst nach 1949 wird im Untergeschoss in einer „Konferenz der Bilder" in einer Hängung gezeigt, die die weitgehend übliche Trennung von „Ostkunst" und „Westkunst" aufhebt und interessante Zusammenhänge aufzeigt. Vom 14. Juni an wird dort eine Retrospektive zum achtzigsten Geburtstag des im Jahr 2004 verstorbenen Leipziger Malers Werner Tübke zu sehen sein und ab Oktober bietet eine Ausstellung „Leipziger Kunst 1919 - 2009" einen reprä sentativen überblick über das in den letzten sechzig Jahren in Leipzig entstandene künstlerische Schaffen.
„Entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung Leipzigs zu einem Zentrum der Bildenden Kunst nach dem 2. Weltkrieg hatte die Hochschule für Grafik und Buchkunst", erklärt Andreas Schmidt vom Leipzig Tourist Marketing. Maler wie Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke schufen eine eigenwillige, unverwechselbare Bildersprache, die als „Leipziger Schule" bekannt wurde.
Der Begriff beschreibt keine bestimmte Lehrmethode, sondern eine Vielzahl von Stilformen, die hohen künstlerischen Anspruch, bewusste Gesellschaftsanalyse und hervorragendes Handwerk miteinander verbinden.
Dass die gegenständliche Malerei heute sensationelle Erfolge feiert, ist auch ein Verdienst von Professor Arno Rink. Viele der erfolgreichen Maler wie Neo Rauch, Tilo Baumgärtel oder Christoph Ruckhäberle stammen aus seiner Klasse. Sie haben ihr Atelier in der Spinnerei, einem Areal von gut zehn Hektar Größe im Leipziger Westen. Vor 125 Jahren entstand dort die größte Baumwollspinnerei Kontinentaleuropas. Wo sich einst Spindeln drehten, ist eine einzigartige Konzentration von Kunst anzufinden. Neben den Ateliers haben sich zahlreiche Galerien, Kunsthandwerker, Musiker, Designer und Drucker angesiedelt. Höhepunkt sind die zweimal jährlich durchgeführten Rundgänge, bei denen alle Galerien neue Ausstellungen zeigen. Nächster Termin ist der 12. und 13. September. Doch schon am 12. und 13. Juni wird das
125-jährige Bestehen der Spinnerei groß gefeiert.
Klaus Eberhard
Kunstsammler und Hotelier: Klaus Eberhard in seinem „Gallerie Hotel“ vor einem Selbstbildnis von Arno Rink.
Foto: Berg
„Hier schlafen Sie mit einem Original", wirbt Kunstsammler Klaus Eberhardt für sein „Galerie Hotel Leipziger Hof". Tatsächlich hängen in allen Zimmern und Fluren Bilder von namhaften Leipziger Künstlern, sein Insiderwissen über die Kunstszene der Stadt liefert er gern und gratis dazu.
© DETLEF BERG
 
Quelle: HESSISCHE / NIEDERSäCHSISCHE ALLGEMEINE - Sonntag, 31. Mai 2009 zu den Artikeln
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