Leipziger Freiheit
Rauch überm Bett
Das Galerie-Hotel Leipziger Hof hängt voller Kunst. Dieses Jahr wird es 15 Jahre alt.
» Im Leipziger Hof funktionieren Hotel und Kunst gemeinsam. «
Klaus Eberhard, Münchner Professor für Atomphysik, inzwischen auch Hotelier, Sammler und Galerist, hat vor genau fünfzehn Jahren in einem Arbeiterviertel im Leipziger Osten ein verfallenes Gründerzeithaus gekauft und zum Hotel umgebaut. Die Galerie und seine Kunstsammlung mit inzwischen mehr als 250 Arbeiten sind fester Bestandteil des Gesamtkonzepts. Durch sie wird das Hotel zu einem lebendigen Kunsterlebnis, offen für alle, für Künstler, Kunstfreunde, Genießer und natürlich für Hotelgäste. Die separaten Räume im Innenhof, gleich neben dem Biergarten, werden meist für Tagungen genutzt, bieten aber auch für Feiern und Banketts den passenden Rahmen.
Der Architekt Roland Büch hat hier – einige Nummern kleiner - die gleichen Intentionen umgesetzt wie in seinem Großprojekt, dem Münchner Flughafen.
Hotelier Eberhard
In der angeschlossenen Atelierwohnung wohnen und arbeiten manchmal wochenlang auswärtige Künstler, zum Beispiel aus Tschechien und der Ukraine. Auch ihre Arbeiten sind im Hotel zu sehen. Diese Symbiose aus Hotel- und Kunstbetrieb veranlasste Wolf von Lojewski bereits 1997 im ZDF Heute Journal zu der Bemerkung, dass dieses Haus » zwar nicht das größte oder teuerste aller Hotels ist, aber eines der anregendsten, gemütlichsten, interessantesten in Leipzig « . Der berühmte Zufall hatte dafür gesorgt, dass der Professor Wurzeln in Leipzig schlug. Schließlich war die Stadt bei seinem ersten Besuch 1991 noch recht marode. Doch Eberhard sah ihren Charme, ihre Potenziale, und entdeckte schließlich das Haus als eines der wenigen, bei denen die Eigentumsverhältnisse klar waren und in das investiert werden konnte. Die Münchener Besitzer wollten sich von der alten Immobilie gerade trennen.
Was vor fünfzehn Jahren mit 24 Zimmern begann, konnte Klaus Eberhard durch den Erwerb der angrenzenden Häuser inzwischen auf 73 Zimmer und Suiten erweitern. Die Küche des Restaurants genießt einen guten Ruf. Sauna und Whirlpool im Souterrain erg änzen das Programm.
Rund 7 Mio. Euro hat Eberhard im Laufe der Jahre investiert. Und er hat immer neue Ideen: Galeriekonzerte, Lesungen, Kabarettabende, Kunstauktionen, Vernissagen. Auf jedem der klassisch und komfortabel eingerichteten Zimmer liegen handsignierte Bücher des Leipziger Schriftstellers Erich Loest.
Verbrachte Eberhard nach eigenem Bekunden in den Anfangsjahren fünf Prozent seiner Zeit in Leipzig und 95 Prozent in München, hat sich das längst ins Gegenteil verkehrt. Vor allem seit er vor zwei Jahren emeritierte, kommt der Hotelier in ihm zu seinem Recht. An der Uni belegte er einst Betriebswirtschaft als Nebenfach zum Physikstudium. Das ist ihm heute von großem Nutzen, schon allein deshalb, weil sich das Hotel am hart umkämpften Leipziger Markt behaupten und effizient arbeiten muss. Zur Eröffnung reichten elf Schilder an Autobahnabfahrten und an wichtigen Punkten in Leipzig als Werbung. Eberhard: » Unser einziges Telefon wurde durch eine freie Leitung über die Dächer angeschlossen. Inzwischen ist die Infrastruktur erstklassig, aber haben wir einen starken Wettbewerb. « Dem stellt er sich. Und er ist stolz auf sein Nischenprodukt: »Ohne die Kunst wäre es komplizierter.«
In seinem Hotel hängen Bilder von Neo Rauch, Matthias Weischer und jungen Künstlern der » Neuen Leipziger Schule « neben Werken von Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer, Bernhard Heisig und Reinhard Minkewitz. Daher gebührt der Sammlung durchaus ein besonderer Platz unter den Privatsammlungen deutscher Kunst des 20. Jahrhunderts. Der Slogan » Hier schlafen Sie mit einem Original « zieht nicht nur kunstinteressierte Touristen an, sondern vor allem an den Wochentagen ganz normale Geschäftsleute. Der aktuelle Hype um das Ph änomen der » Neuen Leipziger Schule « kommt der eigenen Werbung entgegen. Und so erfüllt Eberhard gern spezielle Wünsche seiner G äste, die in Zimmern mit einem Werk von Tübke oder Rauch schlafen wollen. ölbilder und Aquarelle hängen ja nicht nur im Restaurant und in der Lobby. Kostbare Werke schmücken jedes Zimmer, das Treppenhaus und die Korridore. Kunsthotels gibt es viele, doch dieses ist ein Unikat,
PETRA MEWES
 
Quelle: Kreuzer / Ausgabe 13 / 2008 - 2009 zu den Artikeln
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