Die Sammlung der "Leipziger Schule"                 Sammlungsflyer als PDF-Datei
und der "Neuen Leipziger Schule"
im Galerie Hotel Leipziger Hof


Es fing alles im Untergrund an, direkt unter dem Marktplatz, mitten in der Stadt, dort wo heute der City Tunnel ist. "Zone D, Innenraum" hieß die Ausstellung 1991 in der Messehalle unter dem Markt - es war die erste deutsch-deutsche Ausstellung nach der Wende.

Ich war begeistert, fragte nach dem Ausstellungsmacher und bekam noch am selben Tag einen Termin bei Klaus Werner, Gründer und Geschäftsführer des Förderkreises der Galerie für zeitgenössische Kunst.

Dies war der entscheidende Impuls für den Aufbau der Sammlung.

Ich erzählte ihm, dass ich gerade mit dem Umbau eines der schönen, alten, denkmalgeschützten Gründerzeithäuser zum Galerie Hotel Leipziger Hof begonnen hatte und dass ich dort gerne Kunst zeigen wollte. Spontan bot er mir seine Hilfe an und bei einem unserer folgenden Treffen sogar, ca. 40 Arbeiten aus seinem Privatbesitz dem Hotel für eine Weile zur Verfügung zu stellen. Ich nahm begeistert an.

Die Arbeiten, meist Drucke, stammten aus seiner Zeit als Leiter der Arcade Galerie des Staatlichen Kunsthandels in Berlin. Die Künstler waren Tübke, Mattheuer, Penck, Mohr, Claus, Altenbourg, Morgner und andere.

In der Stadt herrschte 1991 Aufbruchstimmung, jeder wollte etwas bewegen, alles schien möglich, alles konnte schnell gehen.

Beim Aufbau der Sammlung standen zwei Aspekte im Vordergrund: Zum einen wollten wir die Leipziger Schule zeigen und - gerade in den Jahren nach 1989 - bekannter machen, zum anderen wollten wir ein zeitgeschichtliches Dokument der Stadt Leipzig und der Zeit der friedlichen Revolution aufbauen.

Die Sammlung umfasst derzeit mehr als 350 Arbeiten von über 70 - meist Leipziger - Malern. Sie zeigt ein kompaktes Spektrum der "Leipziger-" und der "Neuen Leipziger Schule" mit Bildern von Tübke, Heisig, Mattheuer, Mayer-Foreyt, Schwimmer, Rink, Gille, H. und W. Ebersbach, Rauch und anderen, die in den letzten 40 Jahren die Malerei in Leipzig geprägt haben. Zahlreiche Arbeiten der heute weltweit für Aufsehen sorgenden jüngeren Generation - wie etwa Matthias Weischer - sind in den letzten Jahren hinzugekommen.

Ergänzend zur Sammlung eröffneten wir 1995 die "galerie.leipziger-schule" mit einer Tübke Ausstellung. Bis heute sind es mehr als 50 Ausstellungen geworden. Darunter große Einzelausstellungen von Triegel, den drei Ebersbachs, Mayer-Foreyt, Gille, Müller-Simon, Schröter, Ernert, Bläser und anderen, sowie Gruppenausstellungen mit Meisterschülern und Studenten der Hochschule für Grafik und Buchkunst.

Bekannte Leipziger Kunsthistoriker wie Klaus Werner, Peter Guth und andere haben mir beim Aufbau der Sammlung geholfen. Oft waren Sie bei meinen Atelierbesuchen dabei, haben zum Kauf zu- oder auch abgeraten. Die Qualität der Sammlung wurde auch dadurch entscheidend mitgeprägt, dass sie gelegentlich den Maler drängten, das eine oder andere Bild noch zu zeigen, das dieser eigentlich nicht zum Kauf anbieten wollte. Um einige Bilder in der Sammlung habe ich dann jahrelang "gekämpft".

Der Aufbau der Sammlung war und bleibt eines der spannendsten Erlebnisse meines Lebens. Selten habe ich soviel kennen gelernt und gelernt wie bei den Malern unserer Bilder, in zahllosen Gesprächen in ihren Ateliers, bei ihnen zu Hause und bei ihren Besuchen im Hotel.

Miterlebt zu haben, in Leipzig mittendrin gewesen zu sein in dieser "eruptiven Phase junger deutscher Geschichte", wie Wolf von Lojewski die Zeit unmittelbar nach der Wende in seinem Bericht über unser Haus und seine Kunst im ZDF heute Journal nannte, zusammen mit der plötzlichen und unerwarteten Berühmtheit der Leipziger Malerei in den späteren Jahren, empfinde ich heute als großes Glück.

Die Sammlung wird ständig ergänzt, heute vorwiegend mit Arbeiten jüngerer Leipziger Künstlern, denn wir möchten auch in Zukunft - zusammen mit den Ausstellungen in der Galerie - das Galerie Hotel Leipziger Hof zu einem lebendigen Kunsterlebnis machen.

Hier schlafen Sie mit einem Original!

©Klaus Eberhard, 2009

(Beitrag im Ausstellungskatalog "60-40-20" des Museums der bildenden Künste Leipzig, 2009)


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Der folgende Bericht über unsere Kunstsammlung erschien im August 2010
als Titelgeschichte im offiziellen Veranstaltungskalender
der Stadt Leipzig ("Leipzig im August 2010")
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aus dem Veranstaltungskalender "Leipzig im August 2010" der Stadt Leipzig. ©Leipzig Tourismus und Marketing GmbH

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