Saane Süßmilch

08.02.2003 Hotel Leipziger Hof, Hedwigstrasse 1-3
33. Ausstellung (08.02. - 04.05.2003)
mit Künstlern der Sammlung und der Galerie zum 10-jährigen Bestehen des Leipziger Hofs

Abbildung:

Saane Süßmilch
"Rapsfeldduft" (Ausschnitt),
Öl auf Lw., 60 x 75 cm, 2002

"Nicht enden wollender Applaus
für dieses edle Gästehaus!
Sechs Sterne werden, wenn nicht sieben,
dem edlen Tempel gutgeschrieben ..." (Hansgeorg Stengel)


Hier schlafen Sie mit einem Original

Damit ist nicht etwa Michael Fischer-Art gemeint, der während der Eröffnungsrede zur 33. Kunst-Ausstellung der gesamten weiblichen Belegschaft des Leipziger Hofs dadurch ein Kompliment zu machen glaubte, dass er sie zu schwängern versprach, sofern er nicht verheiratet wäre und zwei Kinder hätte. Trotz eines (neidischen?) Einspruchs („Angeber“) aus dem Publikum und der leicht peinvollen Röte auf Fischer-Arts Gesicht (wir halten ihm zugute, dass er offenbar sein bleich-jungenhaftes, ruhig-temperamentvolles und ernst-unkonventionelles Image selbst in einem konventionelleren Rahmen beibehalten wollte) wurde die passende Botschaft im unpassenden Wort verstanden: als Dankeschön an den Gastgeber der Ausstellung.

Der Leipziger Hof als Galerie bietet der sogenannten Leipziger Schule einen passenden Gründerzeit-Rahmen. Ständige (öffentlich) ausgestellte Werke bekannter Leipziger Künstler wie G. Müller-Simon, H. Müller, W. Ebersbach, H. Rossmanit, B. Heisig, W. Mattheuer, G. A. Schulz, W. Tübke , A. Rink u.v.a. hängen im Restaurant, Treppenhaus und den Suiten des Hotels und lassen auf diese Weise die Besucher Leipzig von seiner künstlerischen Seite erleben. „Die Wände des Hotels hängen voll mit 200 oft großartigen Bildern aus und über Leipzig; die Künstler heißen Mattheuer und Heisig und Penck. Fast ein Museum als Hotel, nur komfortabler..." (Herbert Riehl-Heyse, Süddeutsche Zeitung).

Klaus Eberhard, Gründer und Eigentümer des Hotels, hat Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und andere Arbeiten aus den 80er und 90er Jahren als „Kunst für die Sinne“ bis zum heutigen Tage zusammengetragen. Die Gäste danken es ihm. Sie schlafen gern mit Originalen, die ihnen außerdem das Besondere der Stadt näher bringen. Zumal die Gäste zum Teil selbst als Originale zu bezeichnen sind. Neben Kabarettgrößen wie Dieter Hildebrandt, Gerhard Polt und Mathias Richling haben sich schon Heidi Kabel, Lotti Huber und Katja Ebstein im Leipziger Hof ausgeruht und umgeschaut, die sinnliche Verschmelzung von Leiblichem und Seelischem genießend.

Die Galerie ist längst kein Geheimtipp mehr. Nach der ersten Ausstellung 1995 mit Werken von Werner Tübke folgten kontinuierlich weitere (Rosa Loy, Michael Triegel, Luis Murschetz, Rainer Schade, Sighard Gille, Arnd Schultheiss, Akos Novaky, uva.). Für diese nun, die 33., waren die meisten Künstler mit zwei Bildern vertreten, eines aus den frühen 90ern und ein neueres, um die individuelle künstlerische Entwicklung in den Zeiten des Bestehens des Art-Hotels zu demonstrieren. Zwar ist dieser Querschnitt knapp, aber bei der Vielzahl der Ausstellenden erhält man einen Einblick über die gegenwärtige Landschaft der Leipziger Schule.

Wunderbar der „Parthegraben“ von Wolfram Ebersbach (2001/2002), die „Leise(n) Worte“ von Roland Borchers (1995), der „Traum“ in Bütten von Wolfgang KE Lehmann (2002). Die jüngere Generation (repräsentiert von Fischer-Art, Munse, S. Süßmilch, N. Wagenbrett ...) ist ebenso vertreten wie die ältere (Heinz Müller, G. Müller-Simon, Tübke etc.), beide ergänzen sich in Eintracht zu einem sich mehr und mehr vervollkommnenden Leipzig-Bild.

Für private Kunstliebhaber und Museen ist diese Ausstellung die Gelegenheit, ihre Sammlung durch Käufe zu erweitern. Wer mehr als 20 000 Euro für einen echten Tübke oder 10 000 Euro für einen echten Wagenbrett übrig hat, ist dort am richtigen Ort.

(Anja Szymanski)

Weitere Berichte über die Ausstellung:

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