LEIPZIG LIVE
Kernphysiker West wird zum Hotelier Ost
Ständige Austellung der Leipziger Malschule
Selbstbildnis Arno Rink
Klaus Eberhard: Ich wollte der damals im Westen von Deutschland und international noch nicht so bekannten Leipziger Schule einen öffentlichen Raum geben.
Klaus Eberhard vor einem Selbstbildnis von Arno Rink
Foto: MARKOV & MARKOV
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ie Wände des Hotels hängen voll mit 200, oft großartigen Bildern aus und über Leipzig; die Künstler heißen Mattheuer und Heisig und Penck. Fast ein Museum als Hotel, nur
komfortabler...", schrieb Herbert Riehl-Heyse vor Jahren in der Süddeutschen Zeitung. Die Sammlung vom Hotelinhaber Professer Klaus Eberhard hat sich seitdem auf 350 Bilder vergrößert. Und neben den genannten Künstlern hängen im Restaurant, in den Zimmern, an den Wänden der Flure und Treppenaufgängen Gemälde und Radierungen von Werner Tübke, Max Schwimmer, Neo Rauch, Michael Fischer-Art, Sighard Gille, Maritna Munse, Hartwig Ebersbach, Arnd Schultheiß, Michael Triegel, Heinz Müller, Gerald Müller-Simon, Arno Rink und vielen anderen.
Jeden Freitagabend ist Eberhard in seinem Element. Er führt Hotelgäste und Kunstinteressiert aus Leipzig durch sein Haus. Dabei weiß er Geschichten zu erzählen über seine Bilder und deren Maler.
Keine angelesenen, sondern selbst erlebte. Zu fast allen ausgestellten Künstlern verbinden ihn persönliche Kontakte, hat er Erinnerungen an Ateliergespräche oder an Besuche und Veranstaltungen in seiner Galerie Leipziger Hof.
Dabei ist der Hotelier nicht, wie zu vermuten wäre, ein Kunstprofessor. Nein, Klaus Eberhard ist habilitierter Kernphysiker. Ein Physikprofessor aus München als Besitzer und Betreiber eines Hotels im Leipziger Osten? „Auf Empfehlung eines Münchner Freundes, der noch familiäre Wurzeln in Leipzig hatte, kaufte ich gleich nach der Wende ein heruntergekommenes Gründerzeithaus in der Hedwigstraße." Da in unmittelbarer Nähe noch viele Kreditinstitute gewesen waren, schien der Standort ideal für ein Hotel zu sein. Um dieses Projekt umsetzen zu können, hatte sich Eberhard an der Uni München auf halbtags setzen lassen. Die Ausstellung Zone D - Innenraum mit führenden Malern aus Ost und West war die Initialzündung für die außergewöhnliche Galerie im Hotel. „Wenn Sie ein Hotel betreiben, dann hängen Sie doch Bilder rein", war der Rat des Kurators Klaus Werner gewesen. „Um damit anfangen zu können", erzählt der Professor, „lieh Werner mir 40 Bilder aus seinem Privatbestand." Eberhard lernte die Leipziger Kunstszene kennen und kaufte deren Bilder. „Ich wollte der damals im Westen von Deutschland und international noch nicht so bekannten Leipziger Schule einen öffentlichen Raum geben." Im Laufe der Jahre kaufte der Hotelbesitzer Bild um Bild Werke bekannter wie noch unbekannter Leipziger Künstler. Nicht wenige von ihnen sind längst anerkannt und ihre Bilder erzielen am internationalen Kunstmarkt Höchstpreise. Entstanden ist so eine der repräsentativsten Sammlungen von Werken der Alten und der Neuen Leipziger Malschule überhaupt.
Claudius Markov
Quelle: LEIPZIG LIVE / Ausgabe Nr. 7 / 15.-28. Januar 2009 zu den Artikeln
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