15.02.2005
Begegnung im Inneren
Bilder von Caroline
Kober und Henrik Pillwitz in der Galerie Leipziger Hof
Eurydike träumt.
Einen ausgedehnten Traum. Sieben Blätter lang lässt Caroline Kober eine junge Frau und einen jungen Mann
miteinander, besser nebeneinander agieren. In unbestimmten Landschaften, die vielleicht die Weiten des
Weltalls, ferne Gegenden, Höhlen, vielleicht Orpheus' Unterwelt darstellen. Die noch bis zum 3. April in der
Galerie Hotel Leipziger Hof zu sehen sind. "Wanderung" heißt die Schau.
Und die führt in suggestive Welten, intuitiv
aus zarten Farbschichten geschaffen. Die mit feinem Pinsel umrissförmig hinein gezeichneten Figuren sind Träger
von Stimmungen. Das ist bisweilen bezaubernd, geht vor allem emotional nahe. Hoffnung, Erwartung, auch Verlorensein
stehen zwischen dem paar. Hier geht es um mehr als den Mythos des thrakischen Königssohnes. Das Thema: "So verlierst
du mich aus übergroßer Liebe" wird nicht nur aus heroisch männlicher Sicht befragt. Ganz gegenwärtig thematisiert
die Leipzigerin Liebesbeziehungen, Individualität, Sehnsucht nach Geborgenheit.
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"Goldene Zeiten" von Caroline Kober (Ausschnitt).
Foto: GHLH |
Dem stellt der Maler Henrik Pillwitz
ganz andere Landschaften gegenüber. Wie Kober ist er in Leipzig geboren, hat wie sie an der Hochschule für
Grafik und Buchkunst studiert. Doch in seinen Szenerien dringt er in die Welt der Strukturen vor, der
Mirkoorganismen, zu dem, "was die Welt im Innersten zusammenhält". Seine "Segmente", "Siele" und "doors"
sind getragen von einer expressiven Farbwelt und -oberfläche. Neben großen Gemälden stehen kleine Papierarbeiten,
häufig Serien, die er im Freien malt. Lebendigkeit und Kraft strahlen sie aus, als hätte der Maler die Energie der
Natur in seine Bilder gelenkt. Im Atelier bearbeitet er diese Empfindungen, wird frei zum Ausleben einer
Imagination zwischen Naturleben, Abstraktion und Neuformulierungen von Landschaften, auch innerer Befindlichkeit.
Caroline Kober und Henrik Pillwitz: zwei Wirklichkeiten scheinbar,
eine weite Wanderung. Doch schließen sich beide starke Positionen am Ende zusammen. Man gelangt ins Innere.
©Christine D. Hölzig
Information:
Caroline Kober & Henrik Pillwitz "Wanderung", Galerie Hotel Leipziger Hof, bis 3.4.2005;
Geöffnet tägl. 10-20 Uhr