Leipziger Volkszeitung
Der Kunstbeschleuniger
Klaus Eberhard -Physikprofessor, Bildersammler, Galerist, Hotelier - wird 70

Beruflich hatte es Klaus Eberhard, der am morgigen Sonntag 70 Jahre alt wird, mit der Kernphysik zu tun. Dass für den Laien eher abenteuerlich klingende Promotionsthema lautete "Alphastreuung an Magnesium 24". Das hatte wohl etwas mit der Teilchenbeschleunigung in der Kernphysik zu tun. Eberhard war aber schon immer jenseits der Wissenschaft ein umtriebiger Mensch. So gesteht er beim morgendlichen Cappuccino in seinem sichtbar gut frequentierten "Leipziger Hof', ja schon einst in Garching mit einer eigenen Firma das Ortszentrum neu gestaltet zu haben, wozu auch ein Hotel gehörte. Insofern sei doch das, was er seit fast 20 Jahren in Leipzig betreibe, kein Neuland gewesen.

Als sich auch die deutsche Geschichte auf nicht vorhersehbare Art beschleunigte, konnte Eberhard, erst ordentlicher, dann außerordentlicher Professor an der renommierten Ludwig-Maximilian-Universität München, nicht mehr abseits stehen. Er erwarb das Haus in der Hedwigstraße, setzte fortan statt auf Kern auf Kunst, kam auf die Idee, ein Galeriehotel zu kreieren und ersann dafür den werbeträchtigen Slogan "Hier schlafen Sie mit dem Original".

Der Helfer der ersten Stunde war der unlängst verstorbene Kunstkenner und Galerist Klaus Werner. Mit 50 seiner privaten Leihgaben begann das Bilder-Hotel erste Gestalt anzunehmen. Als ideeller Wegbegleiter stand damals der früh verstorbene Kunstkritiker Peter Guth zur Seite. Eberhard wusste, sich auf die Experten-Ratschlage verlassen zu können. Besuchte er also Leipzigs Künstler, halfen ihm die beiden, die entstehende Sammlung mit Qualität zu bestücken.

Längst ist die Sammlung des Leipziger Hofs eine der wichtigen von privater Hand in Deutschland. 350 Bilder gehören dazu. Gemälde, Zeichnungen, Grafiken sind im ganzen Hotel verteilt, hängen im Restaurant, auf den Gängen, in den Zimmern. Von letzteren gibt es 74, die kein billiger Van-Gogh Druck oder ein kitschiges Blumenfoto schmückt. sondern ein echter Sighard Gille, Gerald Muller-Simon oder Wolfgang Mattheuer.

Klaus Eberhard mit Judith Ostermeyers Gemälde "Leipziger Hof" im Leipziger Hof.       Foto: Thomas Mayer

Zudem ist Eberhard ein selbst ernannter Galerist. Derzeit läuft mit Werken von Judith Ostermeyer die 56. Ausstellung. "Passiert", sagt Eberhard, ist (fast) nichts". Nur zwei Aquarelle von Saane Süßmilch, die getreu von Klaus Werners Maßgabe "Kunst darf keine Berührungsängste haben" über den Urinalen der Herrentoilette hingen, wurden aus der Verankerung gerissen und gestohlen. Eberhard: "Die Bilder sind nicht wieder aufgetaucht."

Im Leipziger Hof hängt mithin (fast) alles, was Rang und Namen hat in der hiesigen Kunst. In zwei Fällen hat man auf die vorbeugende Sicherheitsvariante gesetzt. Die besonders wertvollen Bilder von Neo Rauch und Matthias Weischer wurden aus dem Öffentlichen Raum genommen. Die Schlagzeile "Neo Rauch aus Hotel gestohlen" wollte Eberhard nun doch nicht provozieren.

Bleibt zu wünschen, dass die Kunst-Herberge weiter so floriert, wie das trotz Krise selbst heutzutage der Fall ist. Dann könnte es sogar sein, dass Eberhard das ihm auch gehörende und unter Denkmalschutz stehende Nachbarhaus in der Ludwigstraße zu sanieren in der Lage wäre. Das schönste an dem schon seit DDR-Zeiten verfallenden Bauwerk ist zurzeit die Gedenktafel für die sächsische Mundart-Ikone Lene Voigt. Sie hat hier einst gelebt. Umtriebig wie Eberhard nun mal ist, denkt er bestimmt schon darüber nach, wie er auch diese Ursächsin in sein Geschäfts- und Kunstprojekt einbinden kann.

Thomas Mayer

 
Quelle: LVZ 8./9.05.2010 zu den Artikeln
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