Ein Saturn-Jahr ist da, aber dieser Maler läutet es mit maßvollster Ausgewogenheit ein. Geist und Tat, wissen die Sterne, geraten jetzt dank Saturn durcheinander (Konflikte mit Neptun vermutlich). Und wie wird sich Pluto verhalten, der labile Geselle, nachdem er kein Planet mehr sein darf? Doch bevor die Schicksalskugeln rollen, hat Markus Bläser noch wunderbare Reserven an Stabilität und Ausgewogenheit in die Welt entlassen und seine Ausstellung in der Galerie des Leipziger Hofs ins neue Jahr ausgedehnt. Es beginnt also ruhig und stabil, schön und licht.
Geboren 1976, überschreibt Bläser trocken als "Zone 30", was er als Meisterschüler bei Sighard Gille, kurz davor und danach gemalt hat. Als Lehrer seines Studiums nennt er Dietrich Burger und Arno Rink, bei dem hatte er diplomiert.
Freilich, ein "ganzer Ruhiger" ist Bläser nicht. In den Kohlezeichnungen brodelt es. Sie suchen Räume und verbergen den schnellen Vorgang nicht. Dazu wird geschnitten und geklebt. Frotzelnde Titel leiten den Geist auf Umwege.
"Am Ring" (Ausschnitt) heißt dieses Bild von Markus Bläser - zu sehen in der "Zone 30"-Ausstellung im Galerie Hotel Leipziger Hof. (Foto: Wolfgang Zeyen)
Vier tiefblaue Flächen in drei Streifen bilden das freche "Schwarzer im Regen". Daneben verkleinern sich beige Flecken als "Pfützen". Indem die vordere dickwellige Fläche eher Material als Lache ist, spielt Bläser dort mit der Methode seiner Kollegin Henriette Grahnert: Ist es Bild oder ist es abstrakt? Seine Bilder balancieren überwiegend noch etwas dichter am äußersten Rand des Figürlichen. Die Tendenz geht in Richtung Vereinfachung. Insofern die Kompositionen zu Ausblick und Perspektive, zu Platz und "Toreinfahrt" einladen, verbergen sie die Ansichten zunehmend. Jede Nebensache ist getilgt, die Bilder stehen an der Kante. Wenngleich ungemein "apollinisch", so sind die Bilder dadurch doch extrem wach. Bläser (und Grahnert) pflegen eine spannende Variante, den seit Jahrhunderten in Malerei kultivierten "Moment" (Rembrandt!) einzufrieren.
Bläser ist aber darauf nicht festgelegt. Die beiden größten Bilder, drei, vier Schritt breit, beide von 2006, hängen sich gegenüber. Das eine, "fernsehen", versucht in schönster Farbfeldmanier, quasi ein Fernsehtestbild in eine Draufsicht auf wärmend bunte Dächer zu verwandeln. Oder in etwas ganz anderes, Hinweise sind rar. Dagegen erfüllt der "Lichtladen" mittels einer durchsichtig gelben Fläche das Versprechen des Titels räumlich-szenisch, in dem der Maler ein Fenster anbringtund farb kräftigere Details - als Lampenfüße et cetera - verteilt.
Was mag der Maler für ein Sternbild haben? Welches wäre so ausgeglichen? Eine Waage? Doch nur, bis man sie anpustet: Dann schlägt sie aus. Aufklärung darüber kann vielleicht später einmal gegeben werden, denn von diesem Maler wird noch zu hören sein.
Von: Meinhard Michael