Unicef: Kunst-Auktion
und Künstler-Hilfe
76 von 89 Objekten
kamen unter den Hammer / Spendensammlung am Schauspielhaus
Leipzig (Eig. Bericht).
Großes Interesse herrschte am vergangenen Freitagabend
an der Kunstauktion im Galerie-Hotel „Leipziger Hof“
zu Gunsten der traditionellen Unicef-Weihnachtsspendenaktion
unserer Zeitung. In diesem Jahr steht sie unter dem Motto
„Liberia – Hilfe für Kinder nach dem Krieg“.
Die Versteigerung brachte einen Spendenerlös von exakt
13 324,50 Euro, der auf die Leipziger Konten des UN-Kinderhilfswerkes
fließt.
Zu den begehrtesten Kunstwerken gehörten Arbeiten von
Neo Rauch, Werner Tübke, Gerald Müller-Simon,
Gert Pötzschig, Michael Möbius, Katrin Kunert,
Akos Novaky, Michael Triegel, Jürgen Raiber und Sieghard
Gille. Von den 89 angebotenen Gemälden, Grafiken und
Plastiken kamen 76 erfolgreich unter den Hammer.
Für Unicef setzte sich in diesem Jahr auch das Ensemble
des Leipziger Schauspiels wieder ein. Bis Silvester wollen
dessen Mitglieder nach jeder Vorstellung beim Publikum um
Spenden bitten. Den Auftakt der Aktion erlebten die Besucher
des Antikriegsstücks „Troilus und Cressida“
am Sonnabend im großen Haus in der Bosesstraße.
Vor zwei Jahren hatten die Schauspieler rund 29 000 Mark
gesammelt. (Leitartikel)
Versteigerung für
Unicef –
„ganz einfach gut gelaufen“
13,324,50 Euro auf
die Unicef-Konten zu Gunsten der Kriegskinder in Liberia:
Ein solch tolles Ergebnis war in wirtschaftlich schwierigen
Zeiten nicht unbedingt zu erwarten. Von den 89 am Freitagabend
bei der Kunstauktion im Galerie-Hotel „Leipziger Hof“
zum Aufruf gekommenen Werken fanden 76 neue Besitzer. Das
entspricht einer Versteigerungsquote von 85 Prozent.
„Hoch zufrieden“
waren natürlich zu altererst die Organisatoren der
Auktion: Klaus Eberhard, Chef des Galerie-Hotels „Leipziger
Hof“, und die Leipziger Unicef-Arbeitsgruppe. „Die
Mühe hat sich wirklich gelohnt“, freut sich Günter
Wiesner, Pensionär und in seiner Freizeit einer der
ehrenamtlichen „Unicefler“. Ein Vierteljahr
lang hatte er die Modalitäten der Auktion vorzubereiten.
Er nahm Kontakte zu den Künstlern auf und lernte sie
dabei auch kennen; im übrigen mit der Erkenntnis, „dass
das ja alles sehr nette Menschen sind“.
Das weiß der Besitzer des Hotels schon lange. „Die
Auktion hat allen etwas gebracht: Geld für den guten
Zweck und für die Künstler, die ja derzeit vielfach
auch nicht gerade auf Rosen gebettet sind, und zufriedene
Kunstfreunde“, sagt Klaus Eberhard. Was er nicht ansprechen
wollte: Die Versteigerung warf auch ein paar nette neue
Schlagzeilen für sein Haus ab, für das die Werbung
mit der Kunst längst Programm ist. „Hier schlafen
Sie mit dem Original“, lautet der gängige Slogan.

Ein Bier ließ sich nach dem „erfreulichen Ereignis“
Michael Möbius schmecken. Der Maler hatte eine seiner
hiesigen Stadtan- und –einsichten beigesteuert. Der
Einstiegspreis für sein Ölbild auf Papier, 80
mal 60 cm groß, war höchst moderat gewählt.
Für 1000 Euro fand das Gemälde mit dem Titel „Industriebauten
am Kanal“ einen Besitzer. „Damit wurde genau
der Marktwert erreicht. 600 Euro fließen auf Unicef-Konto.
Besser ging’s nicht“, so Möbius.
„Ganz einfach gut gelaufen“, sagte sich auch
Arnd Schlutheiß, dessen zwei Radierungen „Kurt
Masur bei der Probe“ (vom Dirigier-Meister signiert)
und „schlafende Tänzerin“ ebenfalls umkämpft
waren und smma sumarum 260 Euro für den guten Zweck
einspielten. Routinier Schultheiß verfolgte im Gegensatz
zu manch anderem Kollegen die von Bärbel Müller
aus der Grafikgalerie Großpösna zügig durchgezogene
Versteigerung. Er hatte dabei überhaupt keine Bedenken,
mit dem Auktionatorinnen-Spruch „Zurück ins Depot“
konfrontiert zu werden. „Ich gehe immer weg“,
war sich Schultheiß vorab sicher.
Immer gut gehen auch die Bilder von Gerald Müller-Simon:
„Straße in Gohlis“ wurde von 1000 Euro
auf 2400 gesteigert, womit 1400 Euro für Unicef blieben.
Oder von Gert Pötzschig, dessen „Straße
in Volkmarsdorf“ von 450 Euro auf 990 Euro kletterte.
Oder von Sieghard Gille, dessen fröhlich-buntes „Leipzig-Kleinzschocher“
vom Ausrufpreis 1000 Euro auf 1600 Euro anstieg.
Vielkäufer des Abends war Kunstkenner und -Händler
Claus Baumann, der auch im Auftrag der Sparkasse die Gelegenheit
nutze, um manch preiswertes Stück – man könnte
durchaus „Schnäppchen“ sagen – zu
erwerben.
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| Volles Haus im Hotel: Mehr als 200
Kunst-Interessierte ließen sich das Auktions-Ereignis
nicht entgehen. |
Wem gebührt aber die Krone der Versteigerung? Keine
Frage, LVZ-Kunstpreisträger Neo Rauch. Seine Lithographie
„Mittags“ kam bei einem Ausrufpreis von 300
Euro erst beim Zuschlag von 2000 Euro unter den Hammer,
der ein Hämmerchen war. Andreas Köngeter, Immobilienwirt
in Leipzig, leistete sich das begehrte Kunst-Stück.
„Ich bin mit dem festen Vorsatz hierher gekommen,
den Rauch zu kriegen. Von ihm ist doch auf dem Markt kaum
etwas zu einigermaßen vertretbaren Preisen zu haben.
Zwar lagen die 2000 Euro letztlich auch über meinem
Limit, doch dann dachte ich mir: ‚Jetzt musst du mithalten’“.
Der Schwabe sammelt seit 1996 hiesige Kunst. Die hofft er
sich auch weiterhin ab und an leisten zu können. „Der
Markt ist schwierig, aber es läuft ganz gut.“
Dieser Satz kann ohne weiteres geltend gemacht werden für
die Bilder der Kunstauktion. Denn nach fünf Jahren
Pause war der Neubeginn mehr als ermutigend. (Hauptartikel)
Thomas Mayer