Galerie Hotel Leipziger Hof
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09.05.97

Karl Dall

Zu Gast in Leipzig: Karl Dall

Das Blödeln hat er von klein auf gelernt: "Als Kind war ich der Klassenkasper, oft gehänselt und gegretelt"

In der Nikolaistraße hat jemand versucht, seinen neuen Chrysler zu knacken. Aber sonst lief's gut in Leipzig - Bombenstimmung, die "Funzel" ausverkauft. Vor allem mit Wessi-Witzen erfreuen die Leute hier, hat Karl Dall mitgekriegt. Dafür brauche er nur Minderheiten-Witze umzudichten. Der gebürtige Ostfriese trat das erste Mal in der Messestadt auf, fünf Tage lang von Sonntag bis gestern abend. "Eigentlich waren wir Ostfriesen immer die Ossis, als wir noch keine Wessis waren", fällt's dem 56jährigen bei dieser Gelegenheit wieder ein. Heute lebt Dall in der Nähe von Hamburg, nach dreißig Jahren Berlin, wo er eigentlich nur ein halbes Jahr bleiben wollte: " Aber dann habe ich da meine Familie kennengelernt und meine Tochter gezeugt." Außer seinem Markenzeichen, dem schiefen Blick, ist der Entertainer und Blödel-Barde für seine außerordentliche Schlagfertigkeit berühmt. Alles von klein auf antrainiert: " Als Kind war ich der Klassenkasper, oft gehänselt und gegretelt. Aber schon da war mir ein Lacher wichtiger, als einen Freund zu behalten." Trotzdem kann man sich mit ihm ziemlich normal unterhalten, ohne dauernd auf die Schippe genommen zu werden. Späßchen macht er ständig, aber nichts Boshaftes dabei. Daß seine derben Sprüche mitunter an der Grenze zum Geschmacklosen liegen und das Publikum trotzdem seit dreißig Jahren darauf abfährt, erklärt sich Karl Dall mit der Sehnsucht vieler Leute, selbst mal frech zu sein und dem Chef die Meinung zu blasen. Da versteht er sich schlichtweg als deren Sprachrohr. Seine Gags denkt er sich selbst aus, dafür braucht er keine Autoren. "Man muß die Leute nur beobachten und nachmachen, das ist schon witzig. Zum Beispiel ein Bauer in Ostfriesland, der sich auf seinen Spaten stützt und nichts sagen will." Das, was er macht, könne jeder, der dafür das nötige Selbstbewußtsein habe, meint Karl Dall schulterzuckend. Er als gelernter Schriftsetzer macht's, weil er nichts anderes kann: " Mit meinen Bach- und Tschaikowski- Konzerten bin ich nicht weit gekommen, weil ich kein Klavier und außerdem überhaupt kein Instrument spielen kann." In Leipziger hat er im Hotel "Leipziger Hof" nahe der Eisenbahnstraße gewohnt, vormittags lange geschlafen und dann in seiner Suite am Computer gesessen. Konzepte und Drehbücher für neue Programme mußten geschrieben werden. Übrigens arbeite er auch als Zulieferer für andere: " Ich schreibe unter Pseudonym ernste Sachen, die ich sonst nicht machen könnte. Zum Beispiel als Rolf Hochhuth", frotzelt er schon wieder los. Eine feste Spielstätte hat der frühere Mitstreiter von "Insterburg & Co." Nicht. Dafür ist er gefragter Talkshow-Gast, macht seit Jahren immer wieder Fernsehsendungen und steht dreißig-, vierzigmal im Jahr auf der Bühne. Klar, daß er erkannt wird, wenn er durch die Fußgängerzone geht: "Manchmal sagen dann die Leute zu mir ,Tach, Herr Hallervorden!" Ein bißchen Tarnung verschafft ihm seine schwarze Sonnenbrille. Aber sonst schätzt Karl Dall durchaus die Vorzüge seines Berufes, "daß ich mir dank meines Einkommens ein Ticket nach Australien kaufen kann oder ein schönes neues Auto. Ich trampe gern irgendwo durch die Gegend, setzte mich an den See, fahre Paddelboot oder tue gar nichts." Daß der zahlreiche Nachwuchs an Jung-Komikern im Fernsehen ihm das Wasser abkocht, davor hat Karl Dall keine Angst: "Da sorgen wir schon dafür, daß die nicht zu sehr hochkommen. Das ist wie im Altersheim, da kriegen die Jüngeren auch keine Chance."

Kerstin Decker
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Letztes Update: 26.9.2006