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11.06.99
Auf der Suche nach neuen Formen reißt
Roland Borchers Löcher in die Leinwand. Dabei bleiben
Ölarbeiten der Flächigkeit verpflichtet; Foto: Wolfgang
Zeyen
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Geistreich und ohne Gedröhn
"Morphologische Felder": Malerei von Roland Borchers
im Leipziger Hof
Wenn Roland Borchers zum Pinsel greift, können sich
Leinwände oder Papier frisch machen. Vor allem mit Farbe.
Dann scheinen sich auf der Fläche Kanäle und Höhlengänge
zu bilden, die einzelnen Abschnitte reiben aneinander und
bilden erdige Risse. Doch was sich zunächst als Zufall
von Naturabläufen und geologischen Formationen darstellt,
erweist sich bald als subtile Komposition. Und immer wieder
entstehen dabei zeichenhafte Gebilde von einfacher Struktur.
Borchers, 1958 in Leipzig geboren, Studium in seiner Heimatstadt
bei Ebersbach und Rink, malt "Morphologische Felder".
Morphologie erklärt und erforscht Formen, Gestalten
und Organisationsprinzipien von Lebewesen und deren soziales,
sprachliches und biologisches Umfeld. Borchers fahndet nach
den Wurzeln dieser Vorgänge. Er sieht im Prozeß,
neue Formen zu finden und sie durch Formeln zu abstrahieren,
eine wesentliche Triebkraft menschlicher Entwicklung. Er versucht
sogar, seine Kunst mit Grundthesen theoretisch zu untermauern.
Borchers reiß Löcher in die Leinwand und ordnet
sie zu den Grundsymbolen Kreis, Dreieck, Viereck und Kreuz.
Physikalische Formeln werden graphisch umgesetzt und geometrische
zusammenhänge angedeutet.
Manches erinnert an technische Zeichnungen von Leonardo
da Vinci.
Die Ölarbeiten von Borchers bleiben weitgehend der
Flächigkeit verpflichtet.
Senkrechte, waagerechte und diagonale Richtungen bestimmen
den Aufbau. Die Schau zeigt eine geistreiche Kunst, die ohne
Gedröhn prinzipielle Erkenntnisse vermittelt.
Handwerklich ohne Makel, bleibt in ihr noch vieles unergründlich,
was den Besucher in Atem hält.
Jürgen Henne
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