|
22.09.97
Mal amüsiert's locker-leicht,
mal tut's richtig weh: Die Karikaturen von Rainer Schade und
Luis Murschetz haben Biß. Fotos: André Kempner
 |
Leipziger Hof präsentiert Murschetz
und Schade
Viel politische Schärfe beim Gipfeltreffen im Hotel
Wenn Ost- und Westdeutsche aufeinandertreffen, gerät
noch immer manches schief - oder auch schräg. Vielleicht
erklärt das den Titel der Ausstellung, die seit dem Wochenende
in der Galerie Leipziger Hof zu sehen ist. "Schräglage"
heißt die Schau, und sie präsentiert politische
Karikaturen und satirische Blätter vom Leipziger Rainer
Schade und vom Münchener Luis Murschetz. Die Idee hatte
Hotel- und Galeriebesitzer Klaus Eberhard. Er wollte zeigen,
"wie zwei Zeichner aus Leipzig und München die letzten
Jahre gesehen haben".
So entstand eine Ausstellung, die in mehrfacher Hinsicht eine
Konfrontation bedeutet: zwischen zwei Karikaturisten unterschiedlicher
Herkunft und stilistischer Prägung, aber auch zwischen
andersartigen Besuchererwartungen und -erfahrungen.
Wer Murschetz von seinen Arbeiten für die Süddeutsche
Zeitung oder "Die Zeit" kennt, muß nicht unbedingt wissen,
wer Schade ist. Anderen wird eher Schade aus dem "Eulenspiegel"
oder der LVZ ein Begriff sein. So gibt's für jeden Neues
zu sehen und Bekanntes wiederzuentdecken. Das ist immer unterhaltsam,
oft anregend und nicht selten erregend. Denn bei allem Witz
und Spielerischem lassen es beide nicht an Schärfe fehlen.
Da zeigt Murschetz Bonn als einen "Platz des himmlischen Friedens",
oder Schade einen Geheimagenten. Der Mantel ist ausgebreitet,
im Angebot des Buchladens. Plutonium. Da strahlt der Betrachter,
auch wenn das Lachen im Halse stecken bleibt.
Fest steht: Man hat schwer zu schlucken. Aber das ist nun
mal so - bei brillianten Karikaturisten. JoD
Bis zum 15. November, Mi bis Fr 16-18.30 Uhr oder nach Vereinbarung.
Galeriehotel Leipziger Hof, Hedwigstr.1-3, Telefon 69740.
Luis Murschetz und die drei Tenöre
Frage: Herr Murschetz, Sie sind das erste Mal in Leipzig?
Luis Murschetz: Ja, das ist meine erste Ausstellung hier und
mein erster Besuch in der Stadt.
Und wie ist Ihr Eindruck?
Eigentlich habe ich nur den Bahnhof gesehen, ein imponierender
Bau. Aber ich komme wieder, zur Premiere von "Die Nase" an
der Oper. Meine Tochter Annette macht nämlich das Bühnenbild.
Sie thematisieren vieles: Politik, Umwelt oder die drei Tenöre.
Woher nehmen Sie Ihre Ideen?
Paul Flora hat mal gesagt: "Die Ideen kommen bei der Arbeit".
Und das stimmt. Bevor ich ein Bild beendet habe, sind im Kopf
drei andere fertig. Die muß ich dann allerdings noch
zeichnen.
Gibt es Zeichnungen hier, die Ihnen besonders wichtig sind?
Ja, das "Drei-Liter-Auto" zum Beispiel. Weil mich die Umweltthematik
immer umgetrieben hat.
Und die drei Tenöre?
Ich habe noch nie soviel Resonanz erlebt wie bei dieser Serie.
Nur von den Tenören habe ich nichts gehört, obwohl
ich Carreras und Domingo kennengelernt habe, bei einem Benefiz-
Fußballspiel. Herr Carreras spielt sehr gut.
Und Herr Domingo?
Der spielt sehr gerne.
Interview: Joachim Deggerich
Luis Murschetz: "Die Ideen kommen
bei der Arbeit."
 |
|