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31.03.98
Michael Kunerts "Nacht des Malers"
dunkelt hier vor dem Auge des Betrachters. Foto: Wolfgang
Zeyen
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Ein Hauch Pop-Art, aber schwer verdaulich
Malerei, Collagen und Grafik von Michael Kunert in der
Galerie Leipziger Hof
Hades wacht in der Unterwelt über allen Toten. Der weg
zur großen Gruft führt vorbei am Fährmann Charon
und am Wachhund Kerberos. Das Motiv der Unterwelt aus der griechischen
Mythologie, oft mit christlichen Vorstellungen verknüpft,
hat in der Kunstgeschichte eine lange Tradition. Auch der Leipziger
Michael Kunert verleiht diesem Thema in seinen Acrylbildern
ein wenig einladende Grundstimmung. Situationen und Abläufe
sind allerdings nicht eindeutig. Kunert formt Zwischenzonen
und Grenzlinien, bei denen bedrohliche Kulissen neben gleißender
Architektur des antiken Griechenland, edle Falter neben Masken
mit feindlicher Ausstrahlung ihren Bestand haben. Malerei, Collagen
und Grafik von Michael Kunert sind derzeit im Hotel Leipziger
Hof zu sehen. Der Künstler (geboren 1954, Studium an der
hiesigen Grafikhochschule) überzieht die Flächen mit
putzigen Vögeln, Munch-Zitaten, Mobiliar der unterschiedlichsten
Ausformung und Unterhaltungselektronik im steinzeitlichen Design.
Bildabschnitte, die einer unterkühlten Werbung entlehnt
sein könnten, treffen dabei auf geräuschlose Aktionen.
Die Szenen spulen sich wie psychiatrische Versuchsreihen ab,
in deren Zentren der Organisator auf buntem Plunder seine Fäden
zieht. Kunert leiht sich dekorative Gestaltungsmittel und inhaltliche
Ansätze bei der Pop-Art, wobei Gier nach Blumendarstellungen
besonders auf Tom Wesselmann deutet. Immer wieder sind es Pflanzen
und volkstümliche Muster, die sonnige Akzente setzen wollen,
durch ihre überzogene Banalisierung aber leicht verkrampft
wirken. Die Kunst Kunerts bezieht ihre Wirkung aus der Zusammenführung
von Dingen und Vorgängen, die als Details nur triviale
Klischees bieten könnten. Im Ensemble übernehmen sie
aber dann bedrängende Funktionen. Zahlreiche Einblendungen
aus der Kindheit verdeutlichen die nostalgische Orientierung
des Künstlers. Kunert weist auf Entgleisungen und Deformationen-
Arbeiten, die sich nicht als ästhetische Zwischenmahlzeit
eigen.
Jürgen Henne
Bis 13. April in der Galerie im Hotel Leipziger Hof, Hedwigstr.
1-3, Mi. bis Fr. 16.00-18.30 Uhr |