Sch�nheit ist � auch mal widerborstig

Dass er einmal Gesch�ftsf�hrender Direktor eines Hotels sein w�rde, mag Klaus Eberhard selbst ein wenig �berrascht haben. Der lange in M�nchen ans�ssige, emeritierte Physikprofessor war schon in der Wirtschaft t�tig, aber noch nie Hotelier.

Anders verh�lt es sich mit der Kunst: Die habe ihn schon immer interessiert, erz�hlt er. Doch in der Nach-Wendezeit machte ihn ein Bekannter auf eine interessante Immobilie aufmerksam. Und als er sich mit der besonderen Rolle der Stadt bei der Wiedervereinigung und in der modernen Kunst befasst hatte, kamen f�r ihn zwei neue Standbeine hinzu: Kunstsammler und Hoteldirektor. Schwer zu sagen, ob hier das Hotel zur Kunst kam, oder die Kunst zum Hotel.

Er leitet mit dem Leipziger Hof nun ein Vier-Sterne-Haus, das mit einem besonderen Slogan f�r sich wirbt: �Schlafen Sie mit einem Original�: Denn zum Hotel geh�rt eine eigene Galerie und eine Kunstsammlung, die Ihresgleichen sucht: Alle 73 Zimmer sind mit Originalwerken ausgestattet sind, von Bernhard Heisig, Hartwig Ebersbach, Werner T�bke, Wolfgang Mattheuer oder K�the Kollwitz zum Beispiel, aber auch von j�ngeren, noch unbekannten K�nstlern. Klaus Eberhard hat sich einen Namen als Kunstsammler gemacht, auch weil er sich gerne den Rat ausgewiesener Fachleute einholt: �Was glauben Sie, wie das sonst w�re, wenn ich als Wessi in die Ateliers komme�. Deshalb l�sst er sich von �rtlichen Kunsthistorikern oder Kritikern begleiten, die ihm die herausragenden Arbeiten aufzeigen. Und er garantiert den K�nstlern, dass sie auch weiterhin f�r Ausstellungen Zugriff auf ihre Hauptarbeiten haben, keine Selbstverst�ndlichkeit in der Szene.

"HyperionI, Kunstgeist", 1995
Arnd Schulthei�
Seriographie
"Portrait Kolja Sologubov", 1994
Mitja Wajsberg
�l auf Leinwand

Wie reagieren die Hotelg�ste? Es komme schon mal vor/dass die sich bei der Reservierung w�nschen, auf Zeit etwa mit einem, echten Neo Rauch zusammenleben zu d�rfen, erz�hlt Klaus Eberhard: "Aber viele m�chten auch gerade immer wieder mit neuen Kunstwerken in Kontakt kommen". Mehr Kunst gibt es auf 160 Quadratmetern in der angeschlossenen Galerie. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich auch die "Galeriekonzerte", f�r die Eberhard aufgrund seiner Kontakte zur klassischen Musikszene vor Ort immer wieder klangvolle Namen verpflichtet. Die Ausstellungser�ffnungen kr�nen au�erdem die "K�nstleressen�, Men�s, in denen der K�chenchef auf die W�nsche der ausstellenden K�nstler oder aber auf ihre Exponate eingeht. Wem es bei den kulinarischen Vernissagen geschmeckt hat, kann sich die Men�folge ab vier Personen auf wunsch auch sp�ter nachkochen lassen.

"Ukrainisches M�dchen", 1992
Kolja Solobugov
�l auf Leinwand

Und wie w�rde Klaus Eberhard einen Laien die Besonderheit der �Leipziger Schule� erkl�ren, die seine Sammlung dokumentiert? Die zeichne sich durch "die zum Teil sehr zug�nglichen Oberfl�chen, den Umgang mit Metaphern und Symbolen� aus, beziehe auch sehr allt�gliche Gegenst�nde mit ein, erkl�rt er: �Es wird aber nicht 1:1 abgebildet, die Arbeiten wollen erz�hlen, bleiben aber auch geheimnisvoll�.

Wie ist es mit ihm selbst, hat sich sein Begriff von Sch�nheit durch seine Besch�ftigung mit der Kunst ver�ndert? �Ich wei� jetzt, dass Sch�nheit durchaus auch widerborstig sein kann�.

Susanne M�ller-Baji

 
Quelle: LVZ 8./9.05.2010 zu den Artikeln
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