Zur Erinnerung an Hansgeorg Stengel





Am 30. Juli 2003, seinem 81. Geburtstag, ist Hansgeorg Stengel in Berlin verstorben.

Bei seinen Gastspielen in Leipzig - meist mehrere pro Jahr, das letzte weniger als ein Jahr vor seinem Tode - wohnte Hansgeorg Stengel stets und ausnahmslos in seinem Leipziger Lieblingshotel, dem Galerie Hotel Leipziger Hof.

Vor einiger Zeit erzählte mir Peter Escher ("Eine Sache für Escher", MDR) bei einem Besuch bei uns, dass Stengel für einen Auftritt in seiner Sendung ausdrücklich verlangt hatte, im Leipziger Hof einquartiert zu werden. "Sie wissen schon," gab Escher seine Worte wieder "dort, wo man mit Originalen schläft".

Am 5. Januar 2004 sendete der MDR einen einstündigen Nachruf auf Hansgeorg Stengel. Auch dieser Bericht hob noch einmal die enge Beziehung Stengels zum Leipziger Hof hervor.

Stengel sebst verfasste eine wunderbare Huldigung an an sein "Leipziger Lieblingshotel":

Nicht enden wollender Applaus
für dieses noble Gästehaus
sechs Sterne werden, wenn nicht sieben,
dem edlen Tempel gutgeschrieben.
Fürwahr: Dorado ohne Mängel
ist HLH, Hansgeorg Stengel.

Anmerkung: HLH = Hotel Leipziger Hof

Das Original vom 8.9.1996 in unserem Gästebuch:


Der Leipziger Hof bei Nacht in dem MDR Film "Hansgeorg Stengel - ein Nachruf" (5.1.2003)

Ich möchte Ihnen eine - von vielen - Geschichten mit Hansgeorg Stengel im Leipziger Hof erzählen:

Eines Tages im Oktober 1999 sprach mich Stengel - er trat gerade mehrere Abende hintereinander im wochenlang vorher ausverkauften Keller der "academixer" auf - darauf an, dass ihm Erich Loest berichtet habe, dass er im Rahmen der Ausstellung "Kontinuität und Veränderung, ein Jahrzehnt Leipziger Malerei 1989 - 1999" in unserer Galerie aus seinem Buch "Gute Genossen" lesen werde. "Wenn Sie wollen, trete ich auch bei Ihnen auf", meinte er. Natürlich stimmte ich gerne zu.

In einer Sonderveranstaltung luden wir für den 15. Oktober 1999 ein zu

Hansgeorg Stengel
"Was macht die Kunst"

mit dem Untertitel

"Hier lachen Sie mit einem Original",
Hansgeorg Stengel, bekannt als Journalist, Kabarrettist und Schriftsteller, macht sich inmitten der ausgestellten Bilder Gedanken über die Kunst.

Eine Bedingung hatte Stengel gestellt: Ich musste versprechen, dass Werner Tübke, den er sehr verehrte und der wie er am 30. Juli Geburtstag hat, kommen würde. Mit Hilfe von Frau Tübke brachten wir das zustande und beide saßen noch lange nach Stengels aussergewöhnlichem Vortragsabend - mit vielen direkten und indirekten Anspielungen auf Werner Tübke - bei einem guten Rotwein zusammen. Prof. Werner Tübke (li.) und Hansgeorg Stengel im Leipziger Hof 1999; Foto Galerie Leipziger Hof.



Ein schrecklicher Fauxpas passierte mir einmal, als ich bei einer Einladung seinen Vornamen Hansgeorg mit Bindestrich schrieb. Prompt beklagte sich der "Wortpolizist", wie er häufig genannt wurde.

Mein Versuch einer Entschuldigung:

Lieber Hansgeorg Stengel,

welch anfängliche Freude, Post von Ihnen zu bekommen. Und dann der Schock! Der bis dato wohl fürchterlichste Angriff auf einen Gast in der noch jungen Geschichte des Hotels gerade auf Sie, unseren verehrten Hansgeorg Stengel, letterweise zur Unkenntlichkeit entstellt!

Die Peinlichkeit als solche ist schon schlimm genug. Aber es kommt noch schlimmer - ich muß leider bekennen, lieber Herr Stengel -, denn nicht ein neuer Mitarbeiter aus der Antarktis hat diesen Fehler gemacht, sondern ich selbst, höchstpersönlich. Bei allen Gelegenheiten der Ankündigung und was auch immer, hatten die Mitarbeiter sorgfältigst aufgepasst! Nichts war Ihnen ins Argus Auge gestoßen. Und nun das!

Wir stellen gerne bei Ihrem nächsten Besuch die Temperatur der Sauna auf den doppelten Wert ein, wenn wir Ihnen damit einen Gefallen tun können- als Versuch einer Wiedergutmachung. Obwohl es natürlich nicht wiedergutmachbar ist. Er steht ja da, der entstellte Stengel, Schwarz auf Gelb. Furchtbar!

Mit freundlichen Grüßen
Ihr um Vergebung bittender
Klaus Eberhard



Prof. Dr. Klaus Eberhard
Geschäftsführender Direktor
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GALERIE HOTEL LEIPZIGER HOF
Hier schlafen Sie mit einem Original
[Hedwigstr. 1-3, 04315 Leipzig]
1300 Meter östlich vom Hauptbahnhof
Tel. 0341/6974-0; Fax 0341/6974-150
www.leipziger-hof.de
klaus.eberhard@leipziger-hof.de
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