Galerie Hotel Leipziger Hof
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Leipziger Volkszeitung     29. September 2007

Streit um Monumentalbild

Erich Loest will Opfern des Sozialismus ein Denkmal in der Uni setzen, aber die will es nicht haben

Tübke oder Minkewitz? "Arbeiterklasse und Intelligenz" oder "Aufbruch wagen"? Wem gebührt ein Platz in der neuen Leipziger Universität - den Tätern oder den Opfern des Sozialismus? Für den Leipziger Schriftsteller Erich ' Loest ist die Sache klar: "Das Tübke-Bild gehört ins Museum und nicht in die Uni." Es in der Hochschule Zu zeigen, empfände er als Affront. "Da ist. der SED-Parteisekretär Paul Fröhlich drauf, der die Unikirche sprengen ließ."

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Erich Loest erklärt Bürgermeisterin Bettina Kudla Szenen des Bildes "Aufbruch wagen", das er beim Leipziger Maler Reinhard Minke witz in Auftrag gab. Der Junge Vorn ist Loest selbst im Gespräch mit dem Literaturhistoriker Hans Mayer. Foto: Klaus Staeubert

Bild2
Das Wandbild "Arbeiterklasse und Intelligenz" des Leipziger Malers Werner Tübke. Foto: Wolfgang Zeyen

Das knapp 3 mal 14 Meter große Wandbild "Arbeiterklasse und Intelligenz" schuf der große Leipziger Maler Werner Tübke (1929-2004) für die Uni, wo es bis zum Beginn der Bauarbeiten 2006 auch hing. Von Kunsthistorikern geadelt, sieht Loest in dem 1970-73 entstandenen Auftragswerk der örtlichen" SED-Kreisleitung dagegen nur eine Verherrlichung jenes .systems, das ihn für siebeneinhalb Jahre ins Zuchthaus gebracht hatte.

Der 81-Jährige gab deshalb bei dem Leipziger Maler Reinhard Minkewitz ein "Gegenbild" in Auftrag (die LVZ berichtete). Eine düstere Antwort auf Tübkes systemfreundliches Zeitepos: Graue Farben liegen wie eine große Depression auf dem Minkewitz-Triptychon. Es zeigt die Uni und die Paulinerkirche vor einer Trümmerwüste und Menschen, die ein/und dasselbe Schicksal teilten: Sie litten unter dem DDRRegime. Der Literaturkritiker Hans Mayer etwa und der Philosoph Ernst Bloch, die beide aus der DDR flohen. Die Studenten. Wolfgang Natonek und Werner Ihmels, der eine ging nach dem Zuchthaus gen Westen, der andere starb in Haft. Und Studentenpfarrer Siegfried Schmutzler, der wie Loest 1957 eingekerkert wurde.

Noch bis Ende Oktober ist das Bild im Galerie-Hotel Leipziger Hof in der Hedwigstraße 1-3 zusehen. "Es sollte nicht bei mir im Wohnzimmer enden", sagt Loest. Sein Wunsch: Die Uni soll es zeigen.

Doch die hat sich anders entschieden. "Natürlich wird das Tübke-Bild wieder bei uns untergebracht", sagt Rektor Franz Häuser. "Es ist weltbekannt." Bis zur Eröffnung des neuen Campus' 2009 lagert es im Depot des Bildermuseums. An den von Minkewitz dargestellten Personenkreis in der Uni zu erinnern, hält Häuser für "in Ordnung, aber nicht im Kontext zum Tübke-Bild. Wir haben da keinen Nachholbedarf: Natonek ist Ehrenprofessor, Mayer Ehrendoktor."

Loest sieht in der Rückkehr des Bildes an die Uni jedoch ein falsches Zeichen. "Aber wenn die Uni schon die Mörder des neuen Bürgerlichen reinhängt, dann soll sie das gleiche Recht auch den Opfern zustehen", sagt er und fordert, "beide Bilder gleichzeitig und gleichrangig in einem Raum" auszustellen. Für die Idee hat er jetzt eine prominente Fürsprecherin gefunden. "In der Universität sollte das hängen", sagt Finanzbürgermeisterin Bettina Kudla,"was für den Geist einer Universität steht - und das ist die Freiheit."

Eine Monumentalversion von Minkwitz' "Aufbruch wagen" in den Ausmaßen des Tübke-Bildes würde laut Loest 180 000 'Euro kosten. Nach Ansicht von Kudla könnte der Auftrag über Sponsoren finanziert werden. "Und wenn die Universität dieses Bild 'nicht zeigen will, dann vielleicht eine andere Hochschule oder die Medien stiftung. "

Klaus Staeubert

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