Galerie Hotel Leipziger Hof
Galerie Hotel Leipziger Hof
Hedwigstr. 1-3
04315 Leipzig
Tel: 0341/6974-0
Fax: 0341/6974-150

'03.97

Selbstentdeckung per Gefühl und Bildwerk als Spiegel der Seele: Annette Schröter vor ihrem Bild "Spiegelfinale" (1994/95). Foto: Wolfgang Zeyen

Bilder von Annette Schröter im "Leipziger Hof"

Es drängt den Betrachter, eine Bildstory zu erzählen

Der Münchener Klaus Eberhard leistet sich in seinem Reudnitzer Hotel "Leipziger Hof" in der nicht eben brummenden Leipziger Hotelerie das Konzept eines Art-Hotels: die durchgängige Ausstattung aller Räume mir originaler Kunst der Region. Er vermeidet dadurch die allbekannte und einfallslose Drapierung der Räume mit der hunderttausendsten Kopie von van Goghs Sonnenblumen.

Wo mitunter in öffentlichen Gebäuden die Überdekoration mit Kunst zur Lärmbelästigung und der Künstler zum Raumausstatter verkommt, funktioniert hier das Ambiente: In den Hotelräumen ist die ältere Generation Leipziger Künstler vertreten, in der dem Hotel angeschlossenen Galerie die mittlere und junge Generation. Nach Katrin Kunert, Christl Maria Göthner, Michael Triegel präsentiert sich nun eine der interessantesten Malerinnen aus dem Kreis um die Vierzigjährigen, die aus Meißen stammende Annette Schröter.

Eine der ersten Ausstellungen der 1956 geborenen und an der Leipziger Kunsthochschule bei Dietrich Burger, Wolfgang Peuker und Bernhard Heisig ausgebildeten Malerin fiel in die Zeit der Entstehung einer Legende: Als noch nicht abzusehen war, daß Judy Lübke einer der umtriebigsten Galeristen für junge Kunst und Werbeträger für n-tv werden würde, als ihm der Stasi-Knast noch näher war als seine eigene Galerie Eigen+Art, begann er in seiner Wohnung am Körnerplatz private Ausstellungen zu inszenieren. Das Programm von damals startete mit dem programmatischen Titel "Die neuen Unkonkreten" und meinte natürlich die Abkehr von der überrealistischen, mit einem immer erhobenen moralischen Zeigefinger daherkommenden Politkunst. Im zweiten Jahr, 1985, war auch Annette Schröter dabei. Es war zugleich ihre letzte Ausstellung im Osten, noch im gleichen Jahr verließ sie zusammen mit ihrem Mann, dem Fotografen Erasmus Schröter, die DDR. Arbeitsintensive Jahre in Hamburg haben zu einer entscheidenden Präzisierung dessen geführt, was schon in der Leipziger Zeit anklang: der menschlichen Figur und der technischen Souveränität. Was jetzt im "Leipziger Hof", im Jahr der Rückkehr in die Stadt ihrer Anfänge, zu sehen ist, muß als ganz schmaler Einblick ins Werk begriffen werden. Trotzdem gestatten die dreizehn Bilder letztlich doch einen Überblick über Annette Schröters Bildwelt.

Frauen verharren wartend am Fenster ("Wenn der Postmann gar nicht klingelt", 1995), drei bezopfte Mädchen sitzen apathisch in einer Waldlichtung ("Sonntagskinder", 1996), zwei Figuren balancieren auf einer Kugel ("Kunststück", 1994), das imaginäre Gesicht eines Sängers bricht durch Walddickicht ("Für den unbekannten Sänger I", 1995). Alltägliche Situationen scheinbar. Es drängt den Betrachter, eine Bildstory zu erzählen, aber da ist nichts vorgeplant. Keine überambitionierten, symbolschwangeren Gleichnisse, obwohl immer wieder Grundmuster der Sehgewohnheiten auftauchen, die einen denken lassen: "Aber das soll doch...!?" Man wird nicht in eine Rätselstunde geführt, fast nichts funktioniert zuerst über den Kopf. Was gewollt ist: Selbstentdeckung per Gefühl und Bildwerk als Spiegel der Seele ("Kleines Spiegelbild", 1996).

Annette Schröter geht es um existentielle Grundsituationen, um Momente zwischen den Ereignissen. Es ist geschehen oder es wird geschehen. Da ist Sehnsucht, da ist Gier, da wird Einsamkeit sein, da wird Tristesse herrschen. Sie mutet uns eine retardierende Aggressivität zu, eine Armut an Handlung, nie jedoch an bildnerischer Qualität. (Diese bricht in zwei Fällen weg, wo die Bildspannung zugunsten einer in die Abstraktion neigenden Bildstruktur aufgegeben wird, "Portrait Gaby" 1995; "Auf dem richtigen Dampfer",1996). Die Malerin gefriert bei allem leuchtendem Farbfeuerwerk fast panisch machende Momente des "Was wird passieren?" ein. Das Verharren erscheint als Thema. Und bei genauerer Betrachtung wird klar, daß sich hinter dem postmodernen Touch eine Malerei verbirgt, die zum ans Mark greifenden Mythos drängt. Es werden "eine" Momente vorgeführt, denen die banale Wirklichkeit noch nichts oder nichts mehr anhaben kann.

Peter Guth

Bis Ende März im "Leipziger Hof", Hedwigstr., Mi - Frei, 16 - 18.30
zu den Artikeln
Hotelhauptseite

Homepage | Haus | Preise | Standort des Hotels | Restaurant | Tagungen in Leipzig | Reservierung | Presse-Ecke des Hotels | Kunstsammlung | Aktuelle Ausstellung | Geplante Ausstellungen | Ausstellungen Archiv | Künstler des Hotels | Newsletter | Messen in Leipzig | WLAN | AGB | Kontakt | Sitemap | Stellenangebote | Impressum

© 2000-2006 by Galerie Hotel Leipziger Hof, Leipzig Logo Brief | Webmaster Logo Brief, Galerie Hotel Leipziger Hof, Hotel und Restaurant, Leipzig
Letztes Update: 26.9.2006