Galerie Hotel Leipziger Hof
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27.12.2000

Spannungsreiche Bilder von Stühlen und Sitzenbleibern

Arbeiten Madeleine Heubleins in der Galerie Leipziger Hof

Vincent van Gogh malte Stühle besonders schön, Marcel Breuer und Gerrit Rietveld bauten berühmte Versionen des Sitzmöbels im 20. Jahrhundert. Auf Rügen gibt es einen königlichen, im Vatikan den heiligen Stuhl, und cholerische Gemüter könnten dieses Teil auch schon einmal als Wurfgeschoss bei zwischenmenschlichen Konflikten einsetzen. Der Stuhl als holzige oder metallische Realität und als Objekt mit Heublein, Blick von Brücke symbolischen Wert hat in der Kultur- und Kunstgeschichte einen festen Rang - nun auch bei Madeleine Heublein (geboren 1963).

Auch bei der Leipzigerin sind Stühle keine schlichten Vierbeiner zur Gesäßablage. Sie stehen nicht selten fast aggressiv im Ölbild. Von diffusen Hintergründen sind sie eng geordnet und nicht immer für den sofortigen Gebrauch geeignet. Uneindeutige Raumverhältnisse, sparsam eingesetzte Disharmonien und Stühle in Schräglage deuten auf kleine Veränderungen, die auszuufern drohen.

Ähnlich betont sind Unregelmäßigkeiten bei Ihrer Serie "Kissen", deren Anblick als häuslicher Gebrauchsgegenstand normalerweise eher den Gähnreflex aktivieren würde. Doch Madeleine Heublein formt diese Weichlinge aus Gips und knetet sie zu unterschiedlichen Knautschzuständen . An der Wand aufgereiht, vermitteln sie - ähnlich den Stühlen - einen noch nicht abgeschlossenen Vorgang. Die Abläufe könnten sich positiv entwickeln, aber auch unkontrolliert entgleisen. Das wäre dann der "Point Of No Return", wie die Ausstellung betitelt ist.

Geringfügige Veränderungen, die ignoriert und übersehen werden , jedoch zu heftigen Ausbrüchen führen könnten, sind das thema von Madeleine Heublein. So richtig heiter und mit sonniger Grundeinstellung verlässt man ihre Kunst ohnehin nicht. Denn auch bei ausgestellten Ölbildern wie "Goldsucher" und bei Radierungen (Kopf I-III) dominiert die alltägliche Pein. Gemarterte Körper in sauerstoffarmen und lichtlosen Kerkern oder bei steifen Bewegungen quälen sich durch ihre Existenz. Gesichtslos und ohne Beziehung zum Betrachter erhalten sie keine individuelle Charakterisierung. Diese Figuren sind abstrakte Zeichen allgemeiner Zustände und Verhaltensformen.

Die Kunst von Madeleine Heublein ist vielseitiger und komplexer geworden. Die Gedanken schürfen tiefer, und die handwerkliche Qualität bis auf einige Ausnahmen (Rote Stühle) durchaus beachtlich.     Jürgen Henne    Foto: Armin Kühne

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Letztes Update: 26.9.2006